38 Years In Exile - Special: Exile On Main Street & Stones In Exile

Ein Album von The Rolling Stones
Thank you for your wine, California,
Thank you for your sweet and bitter fruits.
Yes I got the desert in my toenail
And I hid the speed inside my shoe.
But come on, come on down Sweet Virginia,
Come on, honey child, I beg of you.
Come on, come on down, you got it in ya.
Got to scrape the shit right off you shoes…………
……….heißt es da in „Sweet Virginia“.
Den Scheiss mussten sich auch die Stones im Jahre 1971 vom Schuh kratzen.
In jenem Jahr sah sich die Band nämlich trotz einer Reihe von Hit-Alben und bejubelten Tourneen mit schier unlösbaren Problemen konfrontiert:
Ihr Plattenvertrag war ausgelaufen, undurchsichtige Querelen mit ihrem Manager Allen Klein sorgten für Verstimmungen und zu allem Überfluss rückte ihnen auch noch die britische Finanz gehörig auf den Leib.
Keith meinte, dass weil man ihn nicht wegen seines exzessiven Lebenswandels (sprich Drogen) drankriegen konnte, es eben auf dem Weg über den Fiskus versucht wurde.
Bei Großverdienern, wie sie die Stones nunmal in den paar Jahren zuvor geworden waren, sah der Staat unsagbar hohe Abgaben (über 90 %) vor.
Jagger,Richards, Wyman,Watts und Taylor hatten die Nase voll und beschritten den einzigen verbliebenen Ausweg: man trat die Flucht nach vorne an und setzte sich ins europäische Ausland ab.
Zuflucht fanden sie jedoch nicht wie mancher ob des Eingangszitates vermuten mag in Virginia (da ist außerdem wohl eher eine Frau mit ebenjenem Namen gemeint….) sondern in Südfrankreich.
An der Cote D ´Azur quartierte sich Keith Richards in Nellcote, einem alten Prunkgebäude, das im zweiten Weltkrieg der Gestapo als Hauptquartier gedient hatte und zwischen Nizza und Monte Carlo liegt, ein.
Dort begrüßte man illustre Gäste wie Gram Parsons und nahm mit dem mobilen Recording Bus der Band auf(Parsons ist aber angeblich nicht auf den Sessions zu hören).
Die Glimmer Twins Jagger und Richards (wie auch die anderen Bandmitglieder) gaben sich als „elegantly wasted human beings“ vollends dem Hedonismus hin. Was bei den schweißtreibenden Sessions der Stones in Nellcote entstand, wurde schließlich das monumentale und in Anspielung an die Flucht der Stones aus ihrer Heimat Großbritannien „Exile On Main Street“ betitelte 10. (in GB erschienene) Studiowerk der Band.
Ein echtes Kultalbum und sicher ein Meilenstein in der reichen Stones-Diskographie, der nun von Universal neu aufgelegt wurde.
Ob es sich bei „Exile“ allerdings tatsächlich um das, wie vielerorts behauptete, beste Album der rollenden Steine handelt, ist natürlich debattierbar.
Fest steht auf der einen Seite, dass das im Jahr 1972 erschienene Werk den zum damaligen Zeitpunkt vorläufigen Abschluss eines irrsinnigen Laufs der Stones darstellt, der mit „Beggars Banquet“ im Jahr 1968 begonnen hatte und mit „Let It Bleed“ und „Sticky Fingers“ fortgesetzt wurde.
Genauso muss man jedoch eingestehen, dass all diese Alben wesentlich kompakter und stringenter als „Exile“ ausgefallen sind.
Zwar startet die Band gleich mit einer vollen Breitseite ins Album und prescht geradezu atemlos durch „Rocks Off“ und „Rip This Joint“, doch schafft es nicht jeder der 18 Song auch außerhalb des Albumkontexts zu funktionieren. Manches wirkt geradezu skizzenhaft.
Bei genialischen Blues-Covers wie „Stop Breaking Down“ (Robert Johnson)oder dem lasziven „Shake Your Hips“ (Slim Harpo) zeigen sich die Stones jedoch wieder auf dem Höhepunkt.
Genauso sind Songs wie „Sweet Virginia“ und Textzeilen wie „Just as long as the guitar plays,
let it steal your heart away,“ aus „Torn And Frayed“ natürlich für die Ewigkeit geschaffen.
Die neue, kürzlich erschienene Version dieses Albums im schicken Digipak wartet neben den bereits bekannten Songs des Original-Albums in remasterter Form noch mit einer Bonus-Disc mit 10 zusätzlichen Tracks auf:
Alles bislang unveröffentlichtes Material von den Exile-Sessions, das jedoch zum Glück nicht einfach nur aus damals zurecht weggelassenen Outtakes besteht: wenn man sich etwa das wunderbare „Dancing In The Light“ anhört, wundert man sich, wieso dieser Hammer-Song damals nicht veröffentlicht wurde.
Mit dem Re-Release dieses Album-Meilensteins korrespondierte auch die Premiere des Streifens „Stones In Exile“ von Regisseur Stephen Kijak.
Der von Jagger, Richards und Watts mitproduzierte Film erlaubt einen Einblick in die Nellcote –Sessions und wer mehr darüber wissen will, wieso „Exile“ so wurde wie es ist, für den stellt diese
extensive Doku über die Entstehungsgeschichte des ´72er Albums ein Muss dar.
Obwohl Mick Jagger höchstselbst erst vor kurzem in Cannes Promo für den Film machte, gibt es nun schon eine DVD-Version des sehenswerten Streifens aus dem Hause Eagle Vision.
Die Bandmitglieder kommen ausführlich zu Wort und das viele Archive Footage macht die 145 minütige DVD (inklusive Bonusmaterial) zu einer kurzweiligen und zudem hochinteressanten Ergänzung wenn man „Exile“ revisited.
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