We Wish You A Metal X-Mas

Ein Album von Various Artists
„All I want for Christmas is a Rock N´ Roll Electric Guitar“
Was einst Chuck Berry heraufbeschwor, kann heute so verkehrt nicht sein.
Das dachte sich wohl auch der Bruder von Ex-Kiss Klampfer Bruce Kulick, Bob.
Der versammelt eine illustre Schar von Weisen aus dem Rock und Metal-land um Christmas-Klassiker im neuen Gewand unter die Jünger zu bringen.
Zugegeben, die Idee ist nicht neu, begeistert doch zB schon seit Jahren Stray Cats Front-Tolle Brian Setzer mit seinem swingenden Orchester die Fans mit eigenwilligen Neuinterpretationen bekannter Weihnachtsgassenhauer im Rockabilly-Gewand.
Doch Kulick beweist Geschick und setzt das Konzept erstklassig um und schafft so ein Album, das man auch in den Dezembern der nächsten Jahre noch gerne rauskramen wird.
Doch nun zu den Tracks im Einzelnen, die immer eine ganze Heerschar von Szenegrößen vereinen:
„We Wish You A Merry X-Mas“ erhält als erstes die Hard N´ Heavy Rundum - Bedienung. Die Kulick-Brothers spielen sich routiniert, unterstützt von den Power - Vocals des Jeff Scott Soto (ua Frontkreischer für Neo-Klassik Flitzefinger Yngwie Malmsteen) durch den Song.
Das erste richtige Highlight aber erst mit Titel Nr. 2.
Lemmy Kilmister,Oberwarze von Motörhead, covert mit Hilfe des texanischen Weihnachtsmannes Reverend Billy F. Gibbons von ZZ TOP und Foo Fighter Dave Grohl den Chuck Berry-Evergreen „Run Rudolph Run“.
Aus diesem Klassiker stammt auch die eingangs zitierte Textzeile und ohne Zweifel ist der Track auch die beste Nummer des Albums - eine Coverversion so wie sie sein sollte.
Gibbons darf seine Gitarre mit seinen Trademark Texas-Blues Licks gleich in zwei Gitarrensoli zum Jaulen bringen und Lemmy knarzt los, dass es eine wahre Freude ist.
Herr Kilmister sollte wirklich öfter mal derartigen Old School Rock N´ Roll, fernab der Motörhead´schen Rumpelpiste intonieren……
Alice Cooper ist als Nächstes dran. Marilyn Manson Saitenquäler John 5 hilft ihm an der Sechssaitigen aus und gemeinsam zocken sie sich durch das bitterböse „Santa Claws Is Coming to Town“.
Nein, das ist kein Tippfehler. Denn Santa CLAWS ist ein psychopathischer Serienkiller, der ein kleines Städtchen terrorisiert. Da erhalten die wohlbekannten Textzeilen des friedlichen Original „He sees you when you´re sleepin´, he knows when you´re awake…..“ eine ganz neue Bedeutung.
Ronnie James Dio und Tony Iommi von Sabbath spielen dann „God Rest Ye Merry Gentlemen“ im typischem Black Sabbath - Style. Donnernder Groove mit tonnenschweren zähflüssigen Riffs - könnte fast auf „Heaven and Hell“ vertreten gewesen sein.
Queensryches Geoff Tate singt anschließend ein nette Version von Silver Bells, dicht gefolgt vom einzigen Totalausfall des Albums: Der George Lynch und Dug Pinnick Version von „Little Drummer Boy“ - hierauf ist sowohl die Gitarrenarbeit als auch der Gesang ennervierend und unpassend.
Doch Tim „Ripper" Owens, der einst vom Sänger einer Coverband zum Nachfolger von Rob Halford bei Judas Priest aufstieg, reißt das Ruder gleich wieder rum.
Das durch den King bekannt gemachte „Santa Clause Is Back In Town“ wird durch den Metal-Fleischwolf gedreht. Eines der Highlights der Scheibe und Owens beweist, warum er der einzig wahre Halford - Nachfolger war bzw. immer noch ist. Zudem gibt es für alle Gitarrenfreunde ein schönes Solo von Steve Morse, seines Zeichen Ex-Gitarrist der Hillbilly-Jazz Band Dixie Dregs und aktueller Nachfolger Ritchie Blackmores bei Deep Purple.
Rustikal geht’s weiter mit einer Extrem - Metal Version von Stille Nacht.
Nicht unbedingt schön klingend, wie das Lied von den Herren Scott Ian (Anthrax) und Chuck Billy (Testament) zerknüppelt wird, aber originell allemal.
Den unspektakulären Track 9 „Deck The Halls“ kann man getrost skippen um gleich zur Sleaze-Rock Version des Scherz - Bluegrass Songs „Grandma Got Run Over by A Reindeer“ von LA GUNS Gitarrist Tracii Guns und RATTs Steven Pearcey zu kommen:
Typisch-schmutziger Glam-Rock N Roll eben.
Das Motto des Albums „Rockin´ Around The Christmas Tree“ hat sich Ex -Rainbow Shouter Joe-Lynn Turner zu Herzen genommen und zockt sich mit den Gebrüdern Kulick durch eine groovige Version des Klassikers.
John Lennons „Happy X-Mas (War Is Over) wird von TOTOs Steve Lukather verdelt und Germanys Finest Doro Pesch singt “O Christmas Tree”, der gleich mit den geschmackvollen Gitarrenläufen des Michael Schenker (MSG, UFO, Scorpions) geschmückt wird.
Nicht ganz so glücklich ist dann das Finale gewählt, in dem Girlschool mit „Auld Lang Syne“ das Album beschließen.
Fazit:
Eine nette Idee, kompetent umgesetzt. Ein spaßiges Album nicht für Hard Rock und Metal -Fans sondern einfach eine nette Disc für Leute, die mal das etwas andere Weihnachtslied-Paket wollen. Sehr empfehlenswert um den Weihnachtsbaum zum Wackeln zu bringen!
Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen
|