Live at the Isle of Wight

Ein Album von The Who
Die ausgehenden 60er Jahre waren eine gute Zeit für Rockfans.
Eine ganze Reihe von Rock-Festivals sorgte für Aufsehen und man konnte sich zahlreiche Legenden für (im heutigen Verhältnis gesehen)Spottpreise ansehen.
Das bekannteste dieser Proto-Festivals ist sicher das im Schlamm versunkene Woodstock.
Doch auch auf anderen Open Air Events schrieben Bands mit denkwürdigen Auftritten Musikgeschichte.
Das im Jahre 1970 stattgefunden Isle of Wight Festival zum Beispiel: Auf dem gaben sich Bands wie Alvin Lees Boogie Rocker Ten Years After , Country Star Kris Kristofferson oder Jimi Hendrix die Klinke in die Hand.
Auch Englands berüchtigte Krawallbrüder durften da nicht fehlen:
The Who, die legendäre aus dem britischen Mod - Sektor entstandene Band um die Mannen Roger Daltrey (Vocals), Pete Townshend (Gitarre), John Entwistle (Bass) und Keith Moon (Drums) waren live eine Macht.
Joe Perry, seines Zeichen Gitarrist bei Aerosmith, vertritt sogar heute noch felsenfest die Meinung, dass keine andere Band an die Briten herankam, wenn diese mal auf der Bühne wüteten.
Als ihr bekanntester Auftritt gilt sicher ihr Gastspiel in Leeds, auf dem legendären „Live At Leeds“ Album verewigt.
Doch auch auf dem nicht minder bedeutenden Isle Of Wight Festival gab sich die Gruppe keine Blöße.
Ein Auftritt der dem Leeds-Intermezzo in Sachen auf der Bühne entfesselter Energie in nichts nachsteht.
Wie man eine klasse Rockshow neben einem Urgewalt-Sound auch visuell zum Erlebnis machte, wussten die Jungs natürlich. Das war für sie damals zu Beginn der 70er schon eine Routine:
Daltrey im Fransenjackett mit seinem berühmten Schwingen des Mikrokabels.
Townshend, der nach eigener Angabe mehr als 1000 Gitarren on stage in seiner Rage zertrümmerte, der manisch hin und her hüpft, wie besessen auf seine Gitarre einprügelt.
Und natürlich das Tier an den Drums: Keith Moon, der seinen Bandkollegen in Sachen Exzentrizität in nichts nachsteht.
Als einziger Ruhepol der Fels in der Brandung: John Entwistle. Der große Stoiker am Bass-Aber was für ein Virtuose!
Bei aller Gewalt, wirkt der Auftritt jedoch gleichzeitig (großteils) überraschend kontrolliert.
Viele Mitschnitte aus der damaligen Zeit zeigen The Who ja in einem Gewirr aus dissonanten Akkorden und Feedbackgewitter versinken. Nicht so beim Isle of Wight - Gig.
Zwar kann Townshend ab und zu eben doch nichts aus seiner Haut und bearbeitet das Griffbrett beherzt in der falschen Tonlage (da fliegen die schiefen Noten aus den Speakern).
Angesichts der besonderen Setlist kann man da jedoch großzügig drüber hinwegsehen.
Denn energetische Versionen von Eddie Cochrans „Summertime Blues“ oder „Shakin´ all Over“ zeigen , neben Unvermeidlichem wie „My Generation“, wie stark die Band den Blues verinnerlicht hatte und zum anderen wie gut eingespielt sie waren, wenn sie sich zusammenrissen.
Zudem besteht das Gros der Setlist aus Songs von „Tommy“.
Gerade für Fans dieses Albums (oder des Films) also besonders interessant.
Mein persönlicher Lieblingsmoment ist gekommen, wenn Daltrey mit unglaublich viel Emotion "See Me, Feel Me...." aus ebendiesem Album vorträgt.
Der Mitschnitt wurde erst 1996 auf CD veröffentlicht, ist mittlerweile aber auch als audiovisuelle Rumdumbedienung in der DVD –Version erschienen und ist zudem für High Definition - Freaks seit Kurzem als Blu Ray erhältlich.
Egal für welche Version man sich letztlich entscheidet:
Wer The Who so erleben will, wie sie wirklich waren, kommt am Isle of Wight-Recording nicht vorbei.
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