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Electric Ladyland
Electric Ladyland

Ein Album von The Jimi Hendrix Experience

1968 war ein ereignisreiches Jahr. Nicht nur in der Weltpolitik, sondern auch in der Musikbranche.
Elvis feiert seine Rückkehr auf die Bühne und zu Livekonzerten ganz in Leder gewandet beim ´68 Comeback Special . Johnny Cash nimmt „At Folsom Prison“ auf und die Beatles veröffentlichen ihr „White Album“.
Auch Jimi Hendrix´ „Electric Ladyland“ erschien in diesem Jahr .

Es ist das dritte und gleichzeitig letzte Album der Jimi Hendrix Experience.
Zum „40th Anniversary“ veröffentlichte Universal eine ganz besondere Geburtstagsversion dieses großen Klassikers der Rockmusik. Das komplette Album wurde von Produzent Eddie Kramer neu abgemischt. Erst jetzt soll es so klingen, wie ursprünglich angedacht.
Der Sound ist jedenfalls tatsächlich umwerfend.
Zudem wurde die Luxusedition im Schuber inklusive ausführlichem und reich bebildertem Booklet um eine DVD- Dokumentation in Spielfilmlänge erweitert.
Ein echter Grund selbst für alteingesessene Hendrix-Fans nochmals zuzugreifen:
Denn allein die Doku rechtfertigt die neuerliche Anschaffung.
Diese zeichnet nämlich den langen Entstehungsprozess des Albums minutiös nach und geizt auch nicht mit zahlreichen Liveaufnahmen des großen Gitarrengenies.

Von der Faszination die dieses fortschrittliche Album zum damaligen Zeitpunkt ausstrahlte, ist nichts, aber absolut gar nichts verloren gegangen.
Was wie ein Klischee klingt und ein viel bemühter Spruch ist, aber es trifft auf „Electric Ladyland“ (das wir der Kürze halber auch als ELL bezeichnen wollen) eindeutig zu.
Es ist ein auf der Höhe der Flower Power-Bewegung entstandenes psychedelisches Meisterwerk, das eine den Zuhörer förmlich erschlagende Vielfalt an Klangfarben auspackt;
unterschiedlichste Stimmungen heraufbeschwört und letzten Endes fast schon ein Konzeptalbum ist.
Denn alles an Electric Ladyland ist bis ins Kleinste durchdacht, nichts wurde dem Zufall überlassen.
Jimi sah das Studio als ein weiteres Musikinstrument, das er genauso wie seine Stratocaster beherrschte.
Jeder Effekt wurde aus einem bestimmten Grund eingesetzt. Jedes Rückwärtsecho hat seinen berechtigten Platz. Hendrix war Perfektionist der zig Versionen der Songs einspielte und nur mit dem besten Ergebnis zufrieden gab.
Für seinen Manager und Produzenten Chas Chandler war das zuviel – Er schmiss das Handtuch.
Statt ihm nahm Eddie Kramer am Produzentenstuhl Platz.
Kramer war ebenso ein Soundtüftler wie Hendrix und mit seiner Arbeit an „ELL“ legte er das Fundament für eine außergewöhnliche Karriere. Nicht umsonst gilt Kramer als einer DER Kultproducer schlechthin. Über die Jahre nahm er für so unterschiedliche Acts wie KISS oder Eric Sardinas an den Reglern Platz.

Doch zurück Jimi:
Es sollte, wie eingangs schon erwähnt, das letzte Album der Jimi Hendrix-Experience in der Besetzung Mitch Mitchell an den Drums, Noel Redding am Bass und Jimi an der Gitarre werden.
Gleichzeitig wurde es auch das letzte ( zu Lebzeiten veröffentlichte) Studioalbum von Jimi Hendrix.
ELL wurde ein genialer Schwanengesang, der die mannigfaltigen Einflüsse des Künstlers zeigt.
Zum einen gibt es psychedelische (Klang-)Experimente irgendwo zwischen Soul und Rock und zum anderen den Blues.
Der ist natürlich nie weit weg :
Come On ( Let The Good Times Roll) ist ein aggressive Cover des Earl King Bluessongs.
Zusammen mit der Noel Redding-Komposition “Little Miss Strange” und dem genialischen Dylan Cover „All Along The Watchtower“ ist das der einzige Song auf ELL der nicht aus der Feder Jimis stammt. Jimi macht diese Songs zu seinem eigenen und Bob Dylan war ob der Darbietung eines seiner Songs hin und weg.
Gerade „All Along The Watchtower“ ist einer der bekanntesten Tracks des Albums, der die Originalaufnahme von Herrn Zimmermann meilenweit hinter sich ließ.

Trotz der unbändigen musikalischen Experimentierfreude werden nie die großen Vorbilder aus den Augen verloren.
In „Voodoo Chile“ und „Voodoo Child(Slight Return“) bspw. nimmt Jimi das Riff und die lyrische Ikonographie von Muddy Waters´ Catfish Blues“.
Der in einer Jamsession mit Steve Winwood an der Orgel entstandene Song ist ein minutenlanges Inferno.
Das Wah Wah Pedal-Intro ist legendär und der Song ist mittlerweile einer der Rockgitarrenklassiker schlechthin geworden, der schon unzählige Male gecovert wurde (zB von Stevie Ray Vaughan oder Slash).
Trotz der überragenden Qualität dieser vielleicht bekanntesten Stücke des Albums fallen die anderen Songs in keiner Weise ab.
Dennoch fällt es schwer einzelne Songs herauszupicken-
ELL wurde als Gesamtkunstwerk konzipiert und als solches solle man es auch genießen.

Fazit: Ein großes Album, in mustergültiger Neuauflage. Um schon allzu oft bemühte Superlative kommt man bei einer Besprechung von ELL einfach nicht herum. Es ist sicher ein schwieriges Album, das sich nicht jedem erschließen wird. Die von vielen geäußerte Ansicht , das Jimi später in Richtung Jazz gegangen wäre, wurden durch seinen frühzeitigen Tod unweigerlich zu reinen Spekulationen verdammt. Die Komplexität hat ELL jedenfalls. Gerade diese epischen Klangwelten mögen manchem schon zu komplex sein.
Dafür wird man aber ach mit einem Album belohnt, das auch noch dem zigsten Durchlauf nicht langweilig wird.

Eine Rezension von Anatol Holzbauer
(06. August 2009)

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Daten zum Album
Electric Ladyland 16. Oktober 1968
Produktion Eddie Kramer
Interpret The Jimi Hendrix Experience Besetzung Jimi Hendrix, Noel Redding, Mitch Mitchell
Aufnahmedatum 1968
Gastmusiker Al Kooper, Steve Winwood, Buddy Miles, Jack Casady und Dave Mason
Label Universal Lauflänge 75 Min. und 47 Sek.
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