Live at Shea Stadium

Ein Album von The Clash
(2008)
Eigentlich waren The Clash die einzige Punkband, die uneigentlich niemals Punk spielte. Ihr Debüt von 1977 hörte sich streckenweise danach an, aber schon dort steckte Spielwitz und Musikalität drin, wo bei den ewig überschätzen Sex Pistols nur gallige Härte und tumber Krach zu hören war. Seit London Calling (1979) waren sie größer und besser als alles, was sonst durch Großbritannien lärmte. Sie waren links, Skandalrabauken wie die Presse sie liebte, doch die Militanz war ich Ding nicht. „Wir haben keine Waffen, nur Gitarren und ein Schlagzeug.“
Die Rocker aus den Londoner Armenvierteln, die sich (der Legende nach?) in kalten Winternächten Wasser und Leim, mit denen sie ihre Konzertplakate klebten, zu einem Brei mischten und zum Abendessen auf der Heizung warm machten, konnten nur mit Mühe und Not zu Normalverdienern aufsteigen. In Geld gebadet haben sie nie. Und doch gab es Einigen aus der humorlosen Punkszene den Rest, als sie im Oktober 1982 im Vorprogramm von The Who im New Yorker Shea Stadium auftraten. Denn das war in der ganzen Welt berühmt als der Ort, der zuerst von diesen vier jungen Männern aus Liverpool im Sturm genommen wurde. Es war nicht so lange her, da hatten Joe Strummer und Mick Jones noch „No Elvis, Beatles or Rolling Stones in 1977“ krakelt. Und The Who waren zu diesem Zeitpunkt auch längst in die Jahre gekommen. Aber was interessieren einen schon die eigenen Texte von vorgestern?!
Als sie sich an diesem Abend einem Massenpublikum stellten, waren sie so etwas wie ein heimlicher Headliner. Der Sound, der damals noch recht durchwachsen geklungen haben muss, ist auf CD geglättet und ausgehfein. Was schon im Studio rockte, tut es auf der Bühne erst recht: I Fought the Law, Police on My Back, London Calling. Train in Vain hingegen klingt live nicht mehr so kaugummiekauend gefällig.
Schwieriger, obgleich interessanter, wird es bei Nicht-Rock-Nummern. Rock the Casbah klingt schrill und rotzig, eine wohltuende Abwechslung zur Studioversion. The Magnificant Seven ist nichts für Feingeister, denn weder Jones noch Strummer erbarmen sich in den ersten Minuten, genau den Moll-Griff zu spielen, der aus dem Lied die exquisite Funknummer macht, die man auf Sandinista! (1981) hören kann. Wie würden sich wohl vertracktere Nummern wie Jimmy Jazz in so einem Klanggewand anhören? Wäre spannend gewesen.
Ansonsten: Paul Simonon ist ein unterschätzter Bassist, das beweist er auch hier. Er konnte noch kurz nach seinem Einstieg in die Band keinen Ton spielen. Und wenn er schon nicht Gitarre spielen durfte, dann wollte er wenigstens „der beste Bassist der Welt“ werden. So ganz weit hergeholt ist das nicht. Auch Terry Chimes (als Ersatz für Topper Headon geholt) trommelt, na ja, manierlich und solide. Immerhin etwas.
Es ist keine Revoltion auf der Bühne, ‚nur’ eine Band, die Freude an ihrer Musik und der dazu passenden Pose hat. Strummer pflaumt das Publikum an, vielleicht nur halb im Scherz: „Wir versuchen uns hier zu konzentrieren, also hört auf zu labern da hinten!“
Also am Ende doch Punk.
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