Townes

Ein Album von Steve Earle
„Townes Van Zandt is the best songwriter in the whole world, and I´ll stand on Bob Dylan´s coffee table in my cowboy boots and say that!”
Behauptete zumindest einmal Steve Earle, seines Zeichen Countryoutlaw, Hardcore – Troubadour und ewig Unangepasster.
Eine mehr als kühne und umso streitbarere Behauptung, die auch der Gelobte selbst humorvoll kommentierte: „I've met Bob Dylan's bodyguards and if Steve Earle thinks he can stand on Bob Dylan's coffee table, he's sadly mistaken“.
Auch Earle relativierte später (die Aussage war wahrscheinlich als Promo für ein Album von Van Zandt gedacht, das Zitat prangte gegen den Willen Townes´ als Sticker auf den CDs), meinte jedoch, dass man Van Zandt trotzdem im selben Atemzug wie Herrn Zimmerman nennen müsste.
Fraglos ist jedoch was für einen unglaublichen Einfluss Van Zandt tatsächlich für Earle selbst darstellt.
Earles neuestes Album, schlicht „Townes“ betitel, ist eine Hommage an den schon 1997 verstorbenen Freund und Mentor.
Eine rührende Verneigung ist es geworden, die jedoch nie zu einem Kniefall wird.
Doch wer ist nun eigentlich dieser Townes Van Zandt, der oft nur Eingeweihten ein Begriff ist, von denen aber umso höher gehalten wird, mag sich mancher fragen?
Van Zandt ist ein Kultmusiker wie er im Buche steht.
Trotz einer relativ langen Karriere, die schon in den Sechzigern begann, blieb er einem größeren Mainstreampublikum weitgehend verborgen.
Völlig zu Unrecht wie seine poetischen Texte, die einfühlsame Stimme und sein ausdruckstarkes Gitarrenspiel, das sowohl vom Blues als auch von typischen Countryspieltechniken geprägt ist.
Der Spross einer wohlhabenden Familie aus dem Lone Star State Texas hatte lange Zeit mit seinen Dämonen in Form von Alkohol und Drogen zu kämpfen.
Earle sagt ja selbst, dass Van Zandt für ihn zwar ein guter (musikalischer)Lehrmeister, aber ein ganz schlechtes Vorbild war. Wie das Idol hatte Earle lange mit seiner Sucht zu kämpfen, bis er schließlich in den Neunzigern clean wurde. Das ältere Vorbild hingegen hatte nicht so viel Glück.
Nach einer Hüftoperation war die Rekonvaleszenz durch den jahrelangen Missbrauch diverser
Substanzen enorm beeinträchtigt und wurde so zum Todeskampf, dem Van Zandt 1997 erlag.
Kennengelernt hatten sich Schüler und Lehrer schon Jahrzehnte zuvor.
Van Zandt kam zu einem Konzert des jungen Earle und forderte immer wieder den einen Song : „Wabash Cannonball“. Den hatte Earle jedoch nicht in seinem Repertoire. Stattdessen spielte Earle seinem Idol ein anderes Ständchen, nämlich eines von Townes´ eigenen Liedern: „Mr. Mudd and Mr. Gold“, das übrigens auch als Duett mit Earles Sohn Justin Townes, auf dem Album vertreten.
Nun, in dieser Nacht einstand eine lebenslange Freundschaft.
Und dieser wird auf „Townes“ mit 15 Coverversionen rührend Tribut gezollt.
Beginnend mit Townes wahrscheinlich größtem Hit: „Pancho and Lefty“.
In der Version von Merle Haggard und Willie Nelson wurde der Song in den Achtzigern zum Hit in dessen Musikvideo Van Zandt auch einen Gastauftritt hatte.
Earle spielt eine einigermaßen sperrige Version des Klassikers ein.
Eines muss man ihm lassen und selbst die härtesten Van Zandt–Verehrer werden zugeben müssen:
Earle drückt jedem Song seinen ganz eigenen Stempel auf.
Natürlich ist es sinnlos, jetzt jeden Song stur mit dem Original zu vergleichen. Fakt ist jedoch: Earles respektvolle Neuninterpretationen sind außergewöhnlich gut gelungen.
Immerhin kennt Earle die Songs schon seit Jahren aus dem Effeff.
Das tolle Ausgangsmaterial mit interessanten und mitunter poetischen Lyrics wird sehr abwechslungsreich aufgearbeitet. Mal mit typischem Hillbillysound wie bei „White Freightliner Blues“ oder „Delta Momma Blues“ dann wieder experimentell wie bei „Lungs“.
Hier übernimmt übrigens Ex – Rage Against the Machine und Audioslavegitarrist Tom Morello die Lärmgitarre.
Als nächstes spielt Earle dann wieder lupenreinen Blues, wie in einem der besten Stück des Albums, „Brand New Companion“.
Sehr abwechslungsreich und sehr intensiv-
Dabei ist das Album-wie nicht anders bei Earle zu erwarten-
stellenweise recht sperrig ausgefallen.
Das tut nicht jedem Song gut, interessant bleibt es jedoch immer.
In 2 verschiedenen Versionen kommt Earles neuester Streich in den Handel: zum einen als herkömmliche Singledisc sowie als Doppel CD.
Echte Fans sollten unbedingt die wunderbare 2 Disc Digipack-Version im Schuber ins Auge fassen. Die enthält eine Bonusdisc mit einer Alternativversion von „Townes“ die stripped, also unplugged aufgenommen wurde.
Mit nur 11 Tracks ist sie zwar um 4 Tracks kürzer als CD 1 und es werden so auch nicht alle Stücke des regulären Albums in der Stripped–Version präsentiert – hörenswert ist das aber allemal.
Fazit: Unbedingte Empfehlung für Leute, die wissen was sie auf einem Earle–Album erwartet.
Nur hätte man sich gewünscht, dass Earle sich auch das unglaublich düstere „Waitin´ Round To Die“ vornimmt.
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