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I´ll Never Get Out Of This World Alive
I´ll Never Get Out Of This World Alive

Ein Buch von Steve Earle

Steve Earle einen Mann vieler Talente zu nennen grenzt fast schon an Untertreibung:
Ist doch der 1955 in Virginia geborene Earle nun nach seiner „Hauptbeschäftigung“ als seit den 80ern erfolgreicher Countrymusiker und Songwriter (man erinnere sich an den Erstling „Guitar Town“ oder „Copperhead Road“) nun auch unter die Romanautoren gegangen.
Mit beachtlichen Ergebnissen, wie sich dem Leser seines unlängst beim Blessing Verlag in deutscher Übersetzung erschienenen Erstlingswerks offenbart.

Das Buch entlehnt seinen markanten Titel wie Earles letztjähriges Studioalbum von einem Song der am 1. Januar 1953 verstorbenen Country-Legende Hank Williams: Dieser verarbeite in diesem unheimlicherweise letzten zu seinen Lebzeiten veröffentlichten Lied die nüchtern-ironische und gleichzeitig so unumstößliche Erkenntnis : „No matter how i struggle and strive, I´ll never Get Out Of This World Alive“.

Doch nicht nur bei der Titelgebung ließ sich Earle von ihm inspirieren, auch in der Storyline des Buchs nimmt Hank Williams eine zentrale Rolle ein.
Sein Geist besucht nämlich den Mann, der zu Lebzeiten sein Doktor gewesen ist. Nach dem Tod des Musikers ist jener Doc down in San Antone, seine Zulassung hat er längst verloren. Mit illegalen Abtreibungen schlägt er sich mehr schlecht denn recht durch um seine Morphiumsucht zu finanzieren. In diese Dunkelheit tritt jedoch auf wundersame Weise ein rettender Engel: Die junge Graciela, deren Auftauchen jedoch nicht ohne weireichende und mitunter wundersame Folgen für Doc und die Menschen in seiner Umgebung bleibt………….

Von dieser Grundsituation ausgehend entspinnt sich ein skurriler, traumartiger Mix unterschiedlicher literarischer Genres:
Ein Dogen-Roman, eine Love-Story und all dies im Schnittpunkt der harten Kontraste zwischen abgeklärtem Realismus und Geistergeschichte.
Earle, selbst lange Zeit drogenabhängig, weiß um die „dark side of the spoon“. Er kennt die dunklen Abgründe die sich nach dem kurzen Rausc, den einem der letzte Schuss vermeintlich geschenkt hat, auftun. Man merkt, dass der Autor das Gefühl des suchtkranken Morgens am eigenen Leib durchlitten hat und so persönliche Erfahrungen und mehr oder minder dezent autobiographische Details in seine Story unverkennbar miteingewoben hat.
Das wirkt brutal ehrlich und wirkt – im Gegensatz zu manchen Pseudo-Skandalbüchern - stets authentisch und ungekünstelt.
Der Autor vermag nicht nur gute Songs zu schreiben, sondern ist auch in der Lage diese Fähigkeit im (musikalischen) Ausdruck größtenteils auch in den belletristischen Bereich hinüberzubringen.
Ohne Umschweife wird der Leser in die (alp-)traumartige Story des Docs, bei der Realität als dehnbarer Begriff angesehen wird, gezogen und dank eines meist flotten Schreibstils wird das Buch zum page turner – obwohl es sich gar nicht um einen Spannungsroman handelt.

Die Verquickung der oben angesprochenen Genres geht ziemlich gut auf und so könnten
nicht nur Conutry und Earle-Fans – obgleich wohl nur jene den mythischen Charakter der Handlung
zu schätzen wissen werden – ungewöhnliche Lesestoff finden.
Auf ein etwaiges Nachfolgewerk darf man jedenfalls durchaus gespannt sein.

Eine Rezension von Anatol Holzbauer
(28. Oktober 2011)

   


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