Johnny Cash-Das Leben einer amerikanischen Ikone

Ein Buch von Stephen Miller
Sänger und Songwriter, Gitarrist, Schauspieler, Buchautor.
Der Man In Black, Johnny Cash, war tatsächlich vieles. Und er war, ist und bleibt eine Ikone.
Dementsprechend passend ist dann auch das hier zu rezensierende Buch aus dem Hause Bosworth betitelt.
Autor des über 400 Seiten starken Werkes, das eine Biographie des Künstlers darstellt, ist Stephen Miller.
Persönlich hat er den Man In Black nie getroffen. Cashs Bruder jedoch war ihm bei der Erstellung seiner extensiven Biographie, wie Miller sagt, eine große Hilfe.
Zusammen mit dem Autor kann man den Werdegang Cashs von den Anfängen auf einer Farm in Dyess County über seine Militärzeit in Deutschland, seinen Aufnahmen bei Sam Philips Sun Records in Memphis, den legendären Gefängniskonzerten der 60er bis hin zu seinem Spätwerk, den American Recordings, nachvollziehen.
Doch Miller geht sogar noch weiter zurück - viel weiter…..
So verfolgt er etwa Cashs Vorfahren väterlicherseits bis nach Schottland zurück.
Ja, die Informationsdichte, die den Leser bei der Lektüre dieses Buches erwartet, ist schon sehr beachtlich und der eine oder andere Cash-Fan wird sicher bislang Unbekanntes erfahren.
Denn Miller geht bei der Schilderung der packenden Lebensgeschichte Cashs, wie gesagt, überaus detailliert vor. Zumindest großteils, doch dazu später mehr.
Das macht das Buch auch lesenswert, wenn man schon einige andere Cashs- Bios verschlungen hat.
Leider schafft es Miller nicht diesen Zustand über den Umfang des gesamten Buchs aufrecht zu erhalten.
Denn so detailliert er etwa bei der Ahnensuche Cashs vorgegangen ist, so sehr vermisst man die gleiche Genauigkeit bei anderen Stationen des Lebens von Johnny Cash.
Johns Zeit bei Sam Philips´ Sun Records etwa wird doch ziemlich schnell abgehandelt.
Befremdlich wirken auch manche persönlichen Einschätzungen des Autors:
So schreibt Miller etwa, dass Elvis Presley in Memphis für einen kleinen (sic!) Aufruhr sorgte, was natürlich blanke Untertreibung ist (man erinnere sich, um nur ein Beispiel zu nennen, an den gut dokumentierten Auftritt von Elvis in seinem Geburtsort Tupelo,Mississippi, wo er eine Massenhysterie auslöste).
Weiters bezeichnet er Elvis als „Farmpächtersohn“, was historisch so nicht 100 % exakt ist. Elvis´ Vater Vernon war zwar tatsächlich einmal Farmpächter gewesen, jedoch war dies nur einer von verschiedenen Jobs, die er ausgeübt hatte.
Später im Buch schätzt Miller dann Kris Kristoffersons Songs weder als Rock noch als Country ein!?
Leider wird der Lesefluss auch durch die stellenweise etwas dürftig wirkende Übersetzung gestört,was schon bei den manchmal umständlichen wirkenden Satzbauten anfängt.
Ich kann jetzt nicht über den Original-Schreibstil des Autors urteilen-die deutsche Übersetzung wirkt stellenweise jedoch recht holprig.
Über große Strecken bleibt das Buch dennoch fesselnd - was natürlich an Cashs unglaublich interessanter Lebensgeschichte und weniger am Stil der Schilderung liegt.
Im Anhang gibt es dann noch eine (ausgewählte) Diskographie und einige Fotos runden das Paket ab.
So ist Millers Biographie insgesamt trotz der oben beschriebenen Mängel ein recht lesenswertes Buch für Cash-Fans.
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