Stealth

Ein Album von Soundtrack
Da haben wir uns ja fest vorgenommen, bei der Besprechung des vorliegenden Soundtracks nicht über den dazugehörigen Film zu lästern. Die Rede ist von STEALTH, und das Vorhaben währt freilich keinen einzigen Absatz lang. Zuviel Heißluft wird da in die Höhen gepumpt, zuviel hohler Schwachsinn beleidigt die Intelligenz des Kinogängers. Aber gut, hormongeplagte Teenager denken beim Anblick von Jessica Biel eventuell nicht lange über die interne Logik eines Popcorn-Streifens nach. Und der Bekannte von mir, der schon TOP GUN 28 Mal im Kino gesehen hat, ist zwar kein Teenager mehr, wird aber wahrscheinlich trotzdem für den Erfolg des Flugpropagandawerks an den Kinokassen verantwortlich zu machen sein.
Nachdem wir das also hinter uns gebracht haben, können wir den Soundtrack begutachten, der weniger Unmut erregt. Das liegt hauptsächlich an der Tatsache, dass er mit drei neuen Songs von Incubus aufwarten kann, die sich schon mit ihren letzten paar Alben sehr beliebt gemacht haben und jetzt endlich mal richtige Filmsongs schreiben wollten. Warum Brandon Boyd und seine Jungs sich einen solch groben Unfug zur Bühne ihrer neuen Stücke gemacht haben, ist nicht ganz nachzuvollziehen, aber egal: Die Single "Make a Move" ist solide, die etwas ausgefallenere Komposition "Admiration" wartet mit schmucken Streichern und etwas Drama auf, während in "Neither Of Us Can See" mit Chrissie Hynde duettiert wird, wobei Peinlichkeiten konsequent umschifft (beziehungsweise, um im Jargon des Films zu bleiben, umflogen) werden.
Danach gerät die Sache, wie es so in der Natur der meisten Soundtracks liegt, ein bisschen ins Schwanken: Feine Songs von Institute (Gavin Rossdale zusammen mit Photek) und Kasabian (ihr einzig hörbarer Song "Lost Souls Forever", wie mir unterrichtete Quellen verrieten). Mittendrin das fantastische "Bug Eyes" von Dredg, für die man hier gleich eine Kaufempfehlung aussprechen sollte, obwohl es eigentlich um eine ganz andere CD geht. Der Remix, den der orthographisch eigensinnige will.i.am dem Sly-and-the-Family-Stone-Klassiker "Dance to the Music" angedeihen lässt, federt leicht aus den Boxen, der Zusammenschluß von "David Bowie" und einem Menschen namens BT ist weniger überzeugend, weil Bowies markante Stimme so lange durch den Häcksler geworfen wird, bis man ihn eh nicht mehr erkennt.
Und sonst? Gemütliche Kost und Songs, bei denen man nicht extra ins Booklet schaut, um herauszufinden, wer da gerade spielt. Irgendwann tut sich noch Deep-Purple-Sänger Glenn Hughes mit Chad Smith und John Frusciante von den Red Hot Chili Peppers zusammen, um "Nights in White Satin" zu schmettern, und spätestens da wissen wir: Sperrstund is'! Ein recycleter Incubus-Song bringt die CD dann doch noch nett zum Ausklang.
Kann man den STEALTH-Soundtrack empfehlen? Jaja, durchaus. Da ist eigentlich nichts drauf, was wirklich wehtut. Aber eben auch einiges an Füllmaterial. Incubus-Fans müssen wohl oder übel zuschlagen, die Freunde des Films sind vermutlich ohnehin nicht so kritisch. Aber bitte nicht erst im Kino nachsehen, ob man die Musik zum Film braucht.
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