Prophecy

Ein Album von Soulfly
Leztes Jahr fand sich Soulfly-Mastermind Max Cavalera plötzlich ohne Band wieder: Alle Mitglieder verließen völlig überraschend die Gruppe und Cavalera, der lange Jahre seine Brötchen als Shouter von Sepultura verdiente, stand alleine da. Kurzerhand erklärte er die Not zur Tugend und ließ verlauten, daß Soulfly ja ohnehin schon immer als sich wandelndes Projekt gedacht war, in dem die Musiker ohne Probleme ausgetauscht werden können.
Schön, glauben wir ihm das mal, schließlich gab es ja früher schon ein paar Veränderungen im Line-Up. Die neue Band, die Cavalera zusammengestellt hat, kann sich so oder so sehen lassen: Joe Nunez, der Immer-mal-wieder-und-dann-nicht-Drummer der Band, kehrt zurück, neu dazugestoßen sind Gitarrist Marc Rizzo (ex-Ill Niño) und Bassist Bobby Burns (früher bei den unterschätzten Primer 55, heute mit seiner eigenen Band Beautiful unterwegs).
Und, sapperlot, was die Mannen auf PROPHECY, dem mittlerweile vierten Album der Band, veranstalten, ist ein wahres Feuerwerk - wobei angesichts der Lautstärke eher das Wort "Kriegsgewitter" angebracht erscheint. Knapp an der Dezibel-Untergrenze von Disaster Area bewegt sich die Gruppe mit fiebrigen, heulenden Gitarren, donnerndem Bass und einer rhythmischen Intensität, die gerade auf dem letzten Longplayer der Gruppe abhanden gekommen war. Natürlich brüllt sich Cavalera nach wie vor bis zur Besinnungslosigkeit, und angesichts des barbarisch-primitiv anmutenden Gröhlens und der eher schlicht gehaltenen Texte ist immer noch nicht einwandfrei feststellbar, ob der gute Mann bis drei zählen kann.
Die Musik selbst spricht jedoch eine andere Sprache: Immer, wenn der Hörer angesichts des Energie-Overkills zu ermüden droht, wirft Cavalera eine Idee ins Spiel, die die Platte in eine völlig neue Richtung bringt. Am deutlichsten ist das auf dem Track "Mars" zu spüren: Eben noch schreit sich der stramme Max bis zum Kehlkopfkollaps ("I am Mars, the God of War!"), dann setzen auf einmal Flamenco-Gitarren ein, das Stück mutiert zum Latin-Instrumental. Generell ist die stilistische Bandbreite enorm, breiter als auf den Vorgängeralben: "Moses" erinnert mit seiner Reggae-Metal-Kombination an Dub War, aber auch für ein Helmet-Cover ("In the Meantime") ist Platz.
Es mag auf PROPHECY vielleicht kein Kracher wie "Boom" zu finden sein, aber die Energie ist stärker als zuvor - insbesondere nach dem viel zu schweren Vorgänger 3. Schade, dass der Schreihals sich zum Schluß des Albums im Eklektizismus verliert: Der obligatorische Entspannungs-Jam "Soulfly IV" ist eher müde, danach folgt mit "Wings" ein R&B-Soul-Stück, das wenig bis gar nichts mit Soulfly zu tun hat, und "March on River Drina" gehört dann mal wieder in die Kategorie "Bonustracks, die die Welt nicht braucht".
Macht nichts: PROPHECY ist (bis auf das etwas verwirrende Ende) wohl das beste Album, das Soulfly - beziehungsweise Max Cavalera - je produziert haben.
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