A Tribute To The King: Live At Abbey Road Studios

Ein Album von Scotty Moore & Friends
July 1954 : Rock N´ Roll was born, kicking and howling in the Tennessee night!
Ja, die Geburtsstunde des Rock N´ Roll und Rockabilly kann man präzise an dem Zeitpunkt festmachen, als ein junger Mann aus Tupelo, Mississippi in den Sun Recording Studios von Sam Philips in Memphis, Tennessee seine Version des Arthur Crudup Bluessongs „That´s All Right“ aufnahm.
Der Name des jungen Mannes: natürlich Elvis Presley.
Am Slapbass Bill Black und an der semiakustischen Gibson E-Gitarre: Scotty Moore.
Im Dezember 2004 trafen sich Moore und einige der berühmtesten britischen Musiker in den Abbey Road Studios, in denen einst die Beatles aufnahmen, um einen Tribute an den King einzuspielen.
Vor etwas steriler Kulisse werden in den Studios massenhaft teils rare Verstärker aufgebaut.
Überhaupt sind die zahlreichen Gibsons und Tweed Amps, die da auf der Bühne ausgepackt werden, echter Eye and Earcandy für Musiker.
Passend dazu ist der Sound kristallklar und kommt schön druckvoll aus den Boxen.
Neben Ex – Rolling Stone Bill Wyman am Bass mit seinen Rhythm Kings hat sich eine ganze Reihe prominenter Gäste eingefunden:
Mr. Slowhand Eric Clapton, Pink Floyds David Gilmour oder auch Ronnie Wood von den Stones, der spitzbübisch grinsend seine Gitarre bearbeitet.
Ja, das ist sicher die A–Liga britischen Musikertums.
Der Rest der Gästeliste sorgt jedoch für einiges Stirnrunzeln. Zum einen vermisst man Leute die für so einen Tribute natürlich erste Wahl gewesen wären, wie zB Brian Setzer oder Dave Edmunds. Letzterer hätte es ja von Wales nicht allzu weit gehabt.
So muss man neben den oben angeführten Musikern mit Cowboy Phil Ansell, Steve Gibbons, der die Hosen fast bis unter die Brustwarzen gezogen hat oder auch dem unsäglichen Mike Sanchez, dem Pianisten von Wymans Rhythm Kings Vorlieb nehmen.
Was man sich dabei bloß gedacht hat? Angeblich gab es Probleme mit der Vereinbarung eines Termins, weswegen einige Musiker, nicht kommen konnten.
Nun gut, auf zur Setlist, die 27 Tracks umfasst, darunter Songs wie zB „Lawdy Miss Clawdy ( das auf der Packung fälschlicherweise als „Lawdy Miss ClOUdy angeführt ist), „Good Rockin´Tonight“, „All Shook Up“ oder „Reconsider Baby“. Als Bonus enthält die DVD noch nette Featuretts, wie zB eine Behind The Scenes- Doku.
Mark Knopfler eröffnet den Tribute mit „Blue Moon Of Kentucky“. Der Song war die B- Seite von Elvis´ erster Single „That´s All Right“ aus dem Jahre 1954.
Knopflers stoische Art kennt man ja schon. Der knackige Gitarrensound seiner Gibson Super 400 sticht dafür umso mehr heraus und er brilliert mit einem punktgenauen Solo inklusive Pedal Steel Bend: Sehr groovig und eines der Highlights der Disc.
Weiter geht es dann mit dem beunruhigend grimassierenden Mike Sanchez. Sanchez hätte man sich eindeutig sparen sollen.
Rettung naht jedoch schon bei Track Nr. 3 in Form von EC. Clapton überlässt Scotty Moore alle Leadgitarrenparts und begnügt sich mit der Bedienung der akustsichen Rhythmusgitarre bei „Thats Allright Mama“. Er kommt mit seiner Signature Martin Gitarre später im Programm noch zweimal vor: bei „Money Honey“ und „Mystery Train“: EC bleibt geschmackvoll, ganz so wie man das von ihm gewohnt ist.
Albert Lee twangt sich bemüht seinen Weg durch „Trying To Get To You“.
Mark Knopfler kehrt für „Baby Let´s Play House“ auf die Bühne zurück. Noch etwas bedächtiger als beim Opener, dafür an der Gitarre wieder vollends überzeugend.
Dann folgt das erste Paul Ansell Showcase. Dieser erhält im Vergleich zu Größen wie Clapton oder Gilmour ungewöhnlich viel Screen time. Immerhin performt er sehr solide und mit recht authentischem Rockabillysound.
Von Steve Gibbons bleibt man nicht verschont, er kehrt für „Don´t Be Cruel“ zurück nachdem er schon „Heartbreak Hotel“ (Track 4) croonen durfte.
Zu den Höhepunkten zählt sicher noch David Gilmours schöne Version von „Don´t“, die ihm Platz für ein Wahnsinns Gitarrensolo bietet.
Und nur damit kein Missverständnis entsteht: Die Musik selbst ist natürlich ausnahmslose Spitzenklasse. Jeder der 27 hier gespielten Tracks ist ein absoluter Klassiker.
Gitarrist Scotty Moore ist nach wie vor ein Ausnahmegitarrist und ihm zuzuhören wie er seine Gibson spielt und die legendären Licks nur so aus dem Verstärker perlen ist ein Traum.
Und auch an den Performances der meisten Stargäste ist nichts Grundsätzliches auszusetzen, immerhin sind hier ja Profis am Werk.
Es sind die teils allzu routiniert wirkenden Performances der Gäste, die den Genuss von „A Tribute To The King“ etwas schmälern. Zudem wird man den Eindruck nicht los, dass einfach großteils die falschen Leute eingeladen wurden.
Gar nicht auszudenken, was für ein Wahnsinnstribute das geworden wäre, wenn man einfach mal Herrn Setzer angerufen hätte……
So bleibt eine technisch tadellose Veröffentlichung, die mit tollem Bild und druckvollem Klangbild begeistert, auf der anderen Seite jedoch ein Release in dem nur einzelne Performances herausstechen (Knopfler, Clapton, Gilmour)
Der Rest ist entweder peinlich unpassend (der unsägliche Sanchez!) oder aber wenig aufregend (schmierig: Gibbons).
Obwohl nicht abzusprechen ist, dass die Beteiligten ihre Gaudi hatten muss man feststellen:
Der King hätte sich fraglos einen wesentlich besseren Tribute verdient.
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