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Gold
Gold

Ein Album von Ryan Adams

Das ist eine dieser Platten für die einsame Insel. Ganz egal was diverse Fans sagen, von wegen überproduziert oder Kommerz. Das Teil rockt und rührt, dass es besser nicht mehr geht!
Damals war er ja noch Thronanwärter und die Kritik konnte sich nicht einigen, ob er denn nun der neue Springsteen oder der neue Dylan wird. Gott sei Dank nichts von beiden, dafür ist er der erste und einzige Ryan Adams geworden. König wird er wohl nicht mehr, Kronprinz wird er dafür immer bleiben. Aber langsam, wir sind ja erst bei "Gold", seiner zweiten Platte und da gehörte die Rockwelt noch ihm.
Im Gegensatz zum seinem Debüt "Heartbreaker", das sich ja sehr an den Country hält (zu dem er in Zukunft auch wieder stärker zurückkehren wird) und halt wunderschön (herz)gebrochen klingt, versammelt Ryan Adams hier mehr Rock, Punk und Blues. Es geht ihm gut, er ist jung, er hat Spass und ist wohl grade nach New York gezogen. Die Songs haben Tempo und schon der erste Song, ein Spaziergang durch New York mit vielen Anekdoten zu verschiedenen Orten und Plätzen ist eine Liebeserklärung an die Stadt. Mit der Liebe ist er im Reinen, sie wird ihm keinen Streich mehr spielen. Ein klarer Bruch zum Vorgängeralbum, ein hoffnungsvoller Aufbruch in die Zukunft. Und ein tolles Saxophonsolo am Ende!
"Firecracker" ist eine Ode ans Leben und den Sex. "Everybody wants to go forever, I just wanna burn up hard and bright, I just wanna be your firecracker and maybe be your baby tonight". Da passt die waschechte Springsteen Mundharmonika auch prima.
Bei "Answering Bell" nimmt er dann das Tempo ein wenig raus und lässt den Country rein. Adam Duritz von den Counting Crows schlüpft mit durch die Tür. Das muntere Zitieren geht weiter und keiner macht das so clever wie Ryan Adams. Der Anfang kommt von The Band und die Orgel von Bob Dylan's Blonde on Blonde.
Dann geht’s nach Süden Richtung Mexico. Zumindest in seiner Erinnerung. Wo er da wirklich sitzt, ob am La Cineaga Boulvard in LA oder doch in New Mexico und an wen er da denkt - es dürfte wehtun.
Doch es kommt der "Rescue Blues" zu Hilfe und der hat ihm dann den Überproduktionsvorwurf eingebracht mit diesem Frauenchor im Hintergrund.
"Somehow, someday" ist ein Versprechen an die Liebe, eine Durchhalteparole. Er dürfte irgendwann mal falsche Entscheidungen getroffen, wünscht sich die Dinge ändern zu können und er verspricht, irgendwann macht er alles wieder gut.
Dann der Killer! "When the stars go blue". Hier offenbaren sich Ryan Adams größte Stärken. Diese unendliche Sehnsucht in der Stimme und wie er immer noch eine kleine Melodie draufsetzt. Grandioses Songwriting das! Der Song zerbricht fast und spaziert mit seiner schlichten Schönheit die ganze Zeit haarscharf am Kitsch vorbei. Es braucht wohl einen Ryan Adams um so etwas zusammen zuhalten. (Der Beweis - die Coverversion von Bono und den Corrs, die diese Kurve nicht kriegen).
"Nobody Girl" ist dann der Gegensatz. Eine bitterböse Abrechnung mit einem Mädchen. Und doch ist irgendwo Mitgefühl drin in diesem Zorn. Oder ist es doch nur Mitleid?
"Enemy fire" ist dann der einzige Song der nervt. Ziemlich zähe Nummer. Dafür kommt dann mit The Who in der Gitarre und dem Beat im Schuh - "Gonna make you love me ". Der macht Laune und alles tanzt.
Dann wird wieder etwas leichter und zerbrechlicher. "Wild Flowers". Immer wieder zum neidisch werden, was der allein mit seiner Gitarre und seiner Stimme machen kann.
"Harder now that it's over" macht deutlich welch guter Texter der Mann sein kann. Eine von diesen Beziehungen wird hier beschrieben, in der sich die Partner ständig zusammenraufen müssen und immer im Extrem leben, sich aber gegenseitig brauchen, weil es ohne den anderen zu schwer ist. Und am Ende, wenn dann doch alles vorbei ist, entschuldigt er sich und legt uns die stärkste aller Erkenntnisse hin "Now you're free, free with a history".
Plötzlich fährt ihm der Geist von Prince (Dabei lebt der ja noch, oder so) in die Glieder, "Touch, Feel and Lose". Souliger Mädlchor, Bläsersätze, ein bisschen Gospel und drängende Begierde, um dann wieder rollend zu rocken. "Tina Toledo's Street Walking Blues" bringt wieder New York Impressionen, einen Cadillac und genug Kohle in der Tasche. Der Rock braucht halt seine Klischees.
Am Ende ist er in L.A. angekommen. Durchs ganze Land ist er gefahren, hat uns textlich und musikalisch mitgenommen, zeigte uns viele Städte, Straßen und Orte und zitierte sich quer durch die amerikanische Literatur und Musik. "Gold" ist ein durch und durch amerikanisches Album. Die Flagge am Cover kommt nicht von ungefähr und das sie verkehrt rum ist auch nicht. Er zeigt uns ein schönes, hoffnungsvolles Amerika, aber verkauft uns nicht den Schmäh vom gelobten Land. Jetzt steht er am Hollywood Blvd. und sie stellen die Sessel rauf. Ryan Adams sagt Gute Nacht. Aber nicht ohne auf die Hoffnung zu vergessen. "See you soon".

Ryan Adams zieht auf „Gold“ alle Register. Er trägt dick auf und 70 Minuten sind auch eine stolze Spielzeit. Aber es ist alles da. Zum Mitleben, Mitgerissen werden und dran festhalten. So gehört sich das. Größer als das Leben, aber nah genug dran.

Eine Rezension von Christoph Schwarz
(01. März 2007)

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Daten zum Album
Gold 2001
Produktion Ethan Johns
Interpret Ryan Adams Besetzung Ryan Adams, Chris Stills, Ethan Johns, Jennifer Condos, Benmont Tench, u.a.
Aufnahmedatum 2001
Gastmusiker Adam Duritz (vocals on "Answering Bell")
Label Lost Highway Lauflänge 70 min.
http://www.ryan-adams.com
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