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Easy Tiger
Easy Tiger

Ein Album von Ryan Adams

Selten, aber doch kommt es vor, dass ein neuer Star in den Pophimmel gehangen wird, der es erstens verdient als solcher bezeichnet zu werden und zweitens auch versteht sich dort zu halten. Schon die erste Band von Ryan Adams, Whiskeytown, wurde in den 90ern in höchste Höhen gelobt - spätestens mit seinem zweiten Soloalbum "Gold" (2001) avancierte Adams zum absoluten Chefmacker und zierte die Titelblätter der angesagten Magazine. Nichts wirklich Neues zwar ließ sich in der Musik des 1974 in Jacksonville geborenen Musikers entdecken, dafür aber ein unglaubliches Gespür und Gefühl und eine sagenhafte Stilsicherheit ausmachen.

Ryan Adams ist wie ein Sohn (oder auch Enkel) einer ganzen Generation von amerikanischen Songwritern. Seine Musik ist tief im elektrischen Country und Rock'n'Roll der späten 60er und frühen 70er verhaftet. Er ist der Gram Parsons der Gegenwart, mit dem Unterschied, dass Adams seine jahrelange Drogensucht überwunden hat, während Parsons am Höhepunkt seiner Liedkunst 1973 erst 26-jährig durch eine Überdosis ums Leben kam - (sehr zu empfehlen: der Film "Grand Theft Parsons", mit Johnny Knoxville in der Hauptrolle des Phil Kaufman, Manager von Gram Parsons). Seit 2005 hat Adams auch endlich seine eigene Band gefunden und veröffentlicht nun mit "Easy Tiger" bereits das dritte Album mit den Cardinals.

Als bisheriger künstlerischer Höhepunkt kann vielleicht die Doppel-EP "Love Is Hell" (2003) bezeichnet werden. Darauf präsentierte sich der Multiinstrumentalist großteils von einer zutiefst melancholischen und düsteren Seite. Ein Jahr nach dem Release von "Love Is Hell 1&2" wurden die Platten neuerlich veröffentlicht, diesmal aber als ein ganzes Album. Grund dafür ist ein ständiges Gezerre mit der Plattenfirma, die sich meist etwas Anderes von Ryan Adams erwartet, als dieser vorhat abzuliefern. So entstand das treibende "Rock n Roll" (2003) auf ausdrücklichen Wunsch der Plattenfirma, während "Demolition" (2002) aus Versatzstücken mehrerer Alben besteht, die vom Label bis heute "unter Verschluss" gehalten werden.

Dem gegenüber steht Adams' absolut wahnwitziger Umgang mit den neuen Medien und sein Hang zum Trash. So gibt es derzeit nicht weniger als 18 (!) unveröffentlichte Alben auf Ryan Adams Homepage, die dem Cockpit eines Raumschiffes nachempfunden ist. Unter diesen schrägen, ironischen und zum Teil auch absichtlich dilettantischen, musikalischen Experimenten findet sich Hip-Hop, und Elektro-Funk (DJ-Reggie) genauso wie knüppelharter Punk (The Shit). Jeder, der mit dem schwelgerischen Liedermacher Ryan Adams eher weniger anfangen kann, sollte sich diese Schätze moderner Schnelllebigkeit nicht entgehen lassen. Denn auf seinem neuen Album "Easy Tiger" ist eine andere, lockere Umgangssprache zu vernehmen.

"Easy Tiger" knüpft nahtlos an das großartige Doppelalbum "Cold Roses" (2005) und an das Folgewerk "Jacksonville City Nights" (ebenfalls 2005) an. Zum ersten Mal hat man als Hörer jedoch unweigerlich das Gefühl, dass sich Ryan Adams wiederholt. Oder hat es doch auch wieder mit den Wünschen der Plattenfirma zu tun, dass "Easy Tiger" ist was es ist? Wie auch immer. Adams scheint jedenfalls in der Lage zu sein, in jedem beliebigen Genre hunderte von Songs zu verfassen. Er hat die Formeln der Liedermacherei bis in die kleinsten Details und Winkelzüge durchschaut, und kann wie mit einem Baukasten operieren - er nimmt die Teile auseinander und setzt sie variantenreich wieder zusammen. Allein das kann getrost als große Kunst bezeichnet werden.

Trotzdem sind auf "Easy Tiger" auch ein paar kleinere Durchhänger auszumachen. Das zwischen den Alternative-Country-Schmachtfetzen etwas deplaziert wirkende, breitbeinig rockende "Halloweenhead" zum Beispiel. Doch meist agieren der Chef und seine Cardinals stilecht mit Slidegitarre, Lederjacke und Tschik im Mundwinkel. Schon der erdige Opener "Goodbye Rose" - mit einem fabelhaft fragilen Ryan Adams - macht klar, wo die Reise hingeht: als Soulsinger mit einer Countryband rockig bis ans Ende der Liebe, und zurück.

Der Sänger Ryan Adams erinnert bei Betonung und Phrasierung mitunter an den großen alten Mann des Outlaw-Country Willie Nelson, dessen aktuelles Album "Songbird" (2006) von Ryan Adams und seiner Band produziert und eingespielt wurde. "Tears Of Gold" ist beispielsweise einer dieser entrückten Walzer mit leicht wehmütigem Einschlag. Aber auch die dunkleren Stücke, wie das verzweifelte, gediegen rockende "The Sun Also Sets", stecken voller Kraft und klarer Worte:

"There it is, we are only one push from the nest
There it is, we are only one moment from death
The sun rises
But the sun also sets, the sun sets, the sun also sets"

"Rip Off" und vor allem das geschmeidige "Two Hearts" sind echte Songperlen. Bei "These Girls" kapituliert Ryan Adams dann augenzwinkernd vor der Frauenwelt. Der bezeichnende Titel "I Taught Myself How To Grow Old" rundet den soliden Liederreigen als leises Mundharmonikastück ab. Eine gewohnt stimmige Sache, eine runde Sache, die Meister Adams und der Klerus an seiner Seite mit "Easy Tiger" abliefern. Bei all der vielfältigen und offensichtlichen Kreativität bleibt jedoch zu hoffen, dass Ryan Adams diese auch wieder in seine offiziellen, zukünftigen Veröffentlichungen packen darf. Weil nur ein Lost Highway ist nicht genug für diesen Mann.

Eine Rezension von Robert Innerhofer
(19. Juli 2007)

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Daten zum Album
Easy Tiger 2007
Produktion Jamie Candiloro
Interpret Ryan Adams Besetzung Ryan Adams & The Cardinals
Aufnahmedatum
Gastmusiker
Label Lost Highway Lauflänge
http://www.ryan-adams.com/RyanAdams.html
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