Sweet Soul Music

Ein Buch von Peter Guralnick
Der Amerikaner Peter Guralnick zählt zu den wichtigsten Autoren und Musikjournalisten überhaupt.
Zu seinen Werken zählt zB. die monumentale und höchst lesenswerte Elvis Presley Biographie in 2 Bänden „Last Train To Memphis“ und „Careless Love“.
Mit dem Buch „Sweet Soul Music“ beendete Guralnick seine Trilogie von Büchern zu seinen liebsten Genres (Blues, Country und Rockabilly und eben Soul) die er mit „Feel Like Going Home“ und „Lost Highway“ begonnen hatte.
Das schon 1986 in den USA veröffentlichte Buch erscheint nun in deutscher Erstveröffentlichung im Bosworth Verlag.
Auf über 500 Seiten zeichnet Guralnick ein genaues Bild eines ganzen Genres.
Dabei ist ihm jedoch viel mehr gelungen als „nur“ eine Chronik der Soulmusik.
„Sweet Soul Music“ ist schon fast ein Geschichtsbuch geworden – aber was für eins!
Der Autor versucht die Umstände, die die Entstehung des Souls bedingten nachzuvollziehen.
Dabei spielte natürlich auch die damalige Politik der USA und die Situation der schwarzen Bevölkerung eine gewichtige Rolle-und Guralnick berücksichtigt wirklich jeden Aspekt.
So wird das Buch auch zum Zeitdokument, das eine Epoche wiederauferstehen lässt.
Guralnick macht gleich ganz zu Beginn klar, was Soul für ihn eigentlich ist bzw. um welche Art von Soul es in seinem Buch hauptsächlich geht.
Es geht nicht um Motown und Bubblegum Soul. Es geht nicht um den kommerzielleren Ableger, der zur gleichen Zeit in den frühen 60ern an Popularität gewann und versuchte einer weißen Zuhörerschaft zu gefallen.
Es geht Guralnick um „eine weit weniger beherrschte, vom Gospel herkommende, emotionsgeladene Musik“ die ca. ab 1954 „in der Welle“ der großen Erfolge von Ray Charles entstand.
Es geht um den schwarzen Südstaatensoul um das Stax Label und um Künstler wie Otis Redding, James Brown, Aretha Franklin, Wilson Pickett, Booker T and The MG´s und viele andere.
Dabei ist sich Guralnick aber auch bewusst, dass die Genregrenzen oft fließend sein können, weshalb auch zahlreiche nicht „rein“ dem Soul zuzuschreibende Künstler vorkommen.
Die Recherchen für das Buch gestalteten sich jedenfalls äußerst intensiv:
Mehr als 100 Personen interviewte Guralnick, um ein möglichst genaues Bild zu erhalten-Darunter so prominente Soulstars wie Solomon Burke.
Guralnicks Reise zu den Entstehungsorten des Soul führte ihn von LA nach Mississippi, von Georgia nach New York und nach Alabama und Tennessee-um nur einige Stationen zu nennen.
Eine sehr schöne Lektüre ist es geworden, die von einer Zeit erzählt als man unter R & B tatsächlich noch Rhythm and Blues verstand und nicht den weichgespülten Mist der tagaus tagein auf MTV läuft.
Erneut ist Peter Guralnick ein Standardwerk gelungen, das sich trotz aller historischen Genauigkeit stets flüssig liest und in dem selbst alte Hasen noch einiges Neues erfahren werden.
Guralnick weiß eben wovon er schreibt. Er ist Fan geblieben.
Und letztlich kann man sich nur Elvis Costellos Zitat zu „Sweet Soul Music“ anschließen:
"Kaufen Sie dieses Buch! Es wird Ihnen wie ein Schnäppchen erscheinen im Vergleich zu all den Platten, die Sie nach der Lektüre dieser lebhaften Darstellung in den nächsten Jahren kaufen müssen."
Und tatsächlich: Guralnicks Buch, das so vor Begeisterung für das Genre glüht, macht Lust auf zweierlei Dinge:
Entweder die eigene Plattensammlung zu durchforsten oder sich einen ganzen Stapel an CDs zuzulegen.
Passend dazu gibt es übrigens eine gleichnamige CD-Serie von Bear Family. Quasi als Soundtrack kann man so auch per CD-Player die Geschichte der Soulmusik nachvollziehen.
Fazit: Klare Empfehlung, nicht nur aus musik-historischer Sicht.
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