Backspacer

Ein Album von Pearl Jam
Mit „Backspacer“ kehren die einstigen Grungehelden Pearl Jam um Leadsänger Eddie Vedder zu Produzent Brendan O´Brien zurück, mit dem sie zuletzt 1998 „Yield“ aufgenommen hatten.
Der vielbeschäftigte und zuletzt ua. für AC/DC und Bruce Springteen tätige O´Brien hatte sich erst kürzlich das wohl wichtigste Werk Pearl Jams, „Ten“, vorgenommen und gründlich neu remastert.
Nun produziert er auch das neunte Studioalbum der Band, das einiges Neues verspricht.
Zum ersten Mal (?) haben die Jung von PJ mehr Einfluss von außen, sprich vom Producer, zugelassen. Scherzhalber meinte Vedder in einem Interview: wenn schon der Boss auf O´Brien hört, dann könnten PJ das wohl auch.
Und tatsächlich: Im Vergleich zu den letzten Veröffentlichung aus dem Hause Pearl Jam hat sich wirklich einiges verändert.
Im Detail:
Das etwas bemüht wirkende und vor allem öfters anstrengende Politisieren der letzten Alben ist gewichen.
Gleichzeitig fehlt aber auch die Heaviness und Düsternis der frühen Werke.
So ist man irgendwie vom einen Extrem ins Andere gekippt.
Statt miesepetriger Miene, die Last der Welt auf den Schultern tragend herrscht nun fast schon kollektiver Optimismus vor. Das beginnt schon bei den Lyrics, die hauptsächlich aus der Feder von Eddie Vedder stammen.
Carpe Diem-Botschaften wo man hinblickt. Den Moment genießen, im Hier und Jetzt leben- das Mantra für ein ganzes Album? Im Song „Just Breathe“ sieht es ganz so aus.
Vedder ist halt neben einem ewigen Zauderer auch Surfer.
„Amongst The Waves“ : eine weitere Reminszenz an den Genuss des Moments und an eine Subkultur und die „Care Free“-Attitüde, die oft mit diesem Lifestyle einhergeht.
Fast alle Stücke auf „Backspacer“ tragen vollmundige Songtitel wie „Supersonic“, „Speed Of Sound“ oder auch „Force Of Nature“. Interessant ist hierbei, dass das Album, vermutlich bewusst, weniger episch angelegt ist als die PJ-Quasiklassiker der frühen Neunziger.
Dieser Eindruck setzt sich auch bei der Instrumentierung fort, die weniger Classic Rock-Anleihen aufweist, dafür mehr in Richtung Punk geht.
„Gonna See My Friend“, „Got Some“, „The Fixer“, das stürmische Songtrio, das das Album eröffnet: voll auf die Zwölf.
Mit einer Spielzeit von lediglich 27 Minuten ist das Album sehr sehr knapp gehalten. Punchige 3 Minuten Songs bilden den Hauptteil. Nach 11 Tracks ist Schluss.
Und als Zuhörer fragt man sich: War das wirklich schon alles? Die Antwort lautet unweigerlich: Scheinbar schon.
Inwieweit man Vedder jetzt als großen Songwriter ansehen kann, soll nicht Thema dieser Rezension sein. Fakt ist jedoch: er war schon mal besser.
Da hilft es auch nichts, dass er sich mit voller Hingabe seines stimmlichen Volumens in oft belanglose Songs stürzt und selbst die banaleren Lyrics mit einer unglaublichen Inbrunst vorträgt.
Immerhin gibt es gibt auf „Backspacer“ keine großen Ausfälle , gleichwohl fehlen aber die echten Highlights. Es bleibt nach dem ersten Durchlauf einfach kein besonders nachhaltiger Eindruck.
Dafür wachsen die Songs nach mehrmaligem Anhören.B esonders die langsameren Stücke profitieren davon.
Es sind dann auch genau diese Nummern wie zB. „Speed Of Sound“, die mit guten Melodien überzeugen und die man sich öfter anhören wird.
Ob die von diversen Bandmitgliedern beschriebene Neuorientierung an Pop und New Wave der richtige Weg für eine der letzten Bands des großen Grungebooms ist? Es darf bezweifelt werden.
In gewisser Weise ist „Backspacer“ so ein Gegenentwurf zum fast zeitgleich erscheinenden neuen unheimlich schweren Alice In Chains-Album geworden.
Aber okay, daraus kann man Vedder und Co. wahrlich keinen Strick drehen. Sichtweisen ändern sich, die ehemals wütenden Jungs sind nun mal auch älter geworden.
Fazit:
Pearl Jam ist kein wirklich großes Album gelungen.
Ein neues „Ten“ wird sich wahrscheinlich auch niemand erwartet haben. Das ist immerhin ein Ass, das die Band im Ärmel hatte.
Großteils wird solide Kost geboten. Wenig Höhepunkte, dafür gutes Handwerk.
Letztlich passt die etwas langweilige erste Singleauskopplung „The Fixer“ wirklich ganz gut-
Zumindest als Sinnbild für das ganze Album.
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