Wake Up the Nation

Ein Album von Paul Weller
Eigentlich dachte Paul Weller gar nicht daran ein neues Album aufzunehmen.
Nach „22 Dreams“ war aus Sicht Wellers als gesagt, die Ideen für neue Songs schienen aufgebraucht.
Nun, die Inspiration hat ihn – wenig verwunderlich- dann doch nicht ganz verlassen.
Nicht anders ist es zu erklären, dass sein neuestes Studiowerk mit dem Titel “Wake Up The Nations“ mit ganzen 16 Songs zu Buche schlägt.
Woher mag dieser Sinneswandel und die scheinbar unbändige Produktivität im weller´schen Haus kommen?
Nun es gibt eine Menge was Weller in der heutigen Zeit missfällt. Und Wut im Bauch war schon immer ein guter kreativer Motor.
Dass er nicht so angepisst ist wie damals mit knapp über 20, als The Jam gerade mit „In The City“ starteten, ist klar.
Doch auch 2010 gibt es noch mehr als genug was einen über alle Maßen nerven kann.
So schallt aus Wellers Ecke mit seinem 21. Album (das nicht regulär veröffentlichte „Modernism“ Ende der 80er mitgezählt) ein Weckruf an die Nationen:
Man soll sich gegen die Mittelmäßigkeit auflehnen. Endlich mal wieder eine (Kultur-) Revolution lostreten und sich nicht mit den herrschenden Zuständen abfinden oder sich gar mit ihnen arrangieren.
Ein erster Schritt in die richtige Richtung wäre es laut Weller, sich nicht dem Diktat der modernen Zeiten zu unterwerfen und dem Social Network den ausgestreckten Mittelfinger zu zeigen: So fordert Weller im Titeltrack, dass man doch einfach sein Bild von Facebook nehmen solle.
Immerhin hat aber Herr Weller selbst eine ebensolche Seite im Netz und darauf nicht eben wenige Fans.
Allzu weit her ist es mit der Revolution dann unter Umständen doch nicht –es sei denn Weller wurde „Opfer“ eines begeisterten Anhängers der für ihn ohne sein Wissen eine solche Site betreibt. Soll es ja geben……
Letztlich ist das dann aber auch einerlei: Das Konzept des Albums hört sich in der Theorie revolutionärer an, als es in der Praxis, beim Anhören des neusten weller´schen Opus, ist.
Dafür entführt es den Zuseher in seltsam schöne Klangwelten.
Das am Cover verfremdet dargestellte Effektpedal ist hierbei Programm: Kaum ein Song, der ohne Spielerei oder unerwartete Breaks auskommt.
Wie im schizophrenen „Trees“, dessen leicht wirre Instrumentierung und experimenteller Songaufbau mit den unterschiedlichen Rollen, die Weller im Text einnimmt, korrespondiert.
Oder im passend betitelten “In Amsterdam“ , das sich als Soundtrack für eine Filmszene, in der die sich die Hauptfigur delirierend im Drogenrausch befindet, anbieten würde.
Der Titeltrack ist allzu plakativ, dafür ist mit „No Tears To Cry“ eines der besten Weller-Stücke neueren Datums entstanden. Der Sticker am Cover verrät uns, dass es sich dabei um eine potentielle Singleauskoppling handelt. Und wen kann das bei einem solchen Song ernsthaft wundern.
Ansonsten ist das Album mit 14 Songs eine Spur zu lang geraten. Manche der Lieder sind dabei zudem wenig schlüssig und scheinen in mehrere Richtungen gleichzeitig zu wollen.
Dass Weller den Schuhen des The Jam- Sounds schon ewig lange entwachsen ist, stellt kein Geheimnis mehr dar und auch auf „Wake Up the Nation“ zeigt er seine Vielseitigkeit – nur das eben wenige Wege auch wirklich zu Ende gegangen werden.
Die Welt zu verändern mag hier also eher ein frommer Gedanke Wellers sein, denn mit diesem Album wird es ihm nur schwerlich gelingen.
Abwechslungsreich und frisch kommt es aber allemal daher und das ist immerhin auch schon etwas.
Sicher nicht revolutionär aber selbst wer bislang nicht viel mit dem ehemaligen Jam-Mastermind anfangen konnte, wird ob der teils wunderbaren Songs ev. doch seine Freunde haben.
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