Stop the Clocks

Ein Album von Oasis
Natürlich reicht für Großkotze wie die Gallagher Brüder eine CD nicht aus, wenn es darum geht ihr Bestes zusammenzufassen. Das tuts vielleicht für Leute wie Springsteen, The Beatles oder Nirvana, aber bei Oasis muss eine Doppel-CD her. Auch wenn es insgesamt nur 18 Stücke sind, was mit 9 pro CD eine angenehme Laufzeit ergibt. Und kosten tut das Ding ja deshalb auch nicht mehr.
Eigentlich hieß es immer, Oasis würden erst ein Best of Album machen, wenn sich die Band auflöst. Und obwohl es im Oasis Lager ja nie unbedingt nach Produktivität aussieht, ist von Auflösung auch keine Rede. Vielmehr hatte Sony nach der Erfüllung des Vertrages ohnehin vor ein Oasis Best of Album rauszubringen, also hat sich die Band (oder besser Noel Gallagher, den anderen war es angeblich egal) dazu entschlossen, mitzuarbeiten. Denn, wie soll man ohne ihn das Beste von Oasis zusammenstellen? Geht ja nicht!
Geworden ist es eine Compilation mit den zu erwartenden Hits und einigen interessanten Überraschungen. Zum Beispiel fehlt neue Musik. Die meisten Bands packen auf ihre Best ofs ja gerne einen neuen Song drauf - als Kaufanreiz für die Leute, die eh schon alles haben. Oasis verzichten darauf. Sie wollten der Firma, von der sie gerade losgekommen sind, nicht auch noch neue Musik schenken, so Noel im Interview. (Es sei denn er hat einen intellektuellen Tag, dann erzählt er, dass ein neuer Song nur die Aufmerksamkeit von der Rückschau auf das bisherige Werk ablenken würde. Jaja.)
Des Weiteren verzichten Oasis mal ganz locker auf drei ihrer Nummer 1 Hits ("The hindu times", "All around the world" und "D’yer know what I mean"). Ebenso fehlt "Whatever", obwohl von der Band immer als einer der besten Songs der letzten 25 Jahre gepriesen. Er dürfte nicht so gut gewesen sein wie seine B-Seite "Half the world away". Und mit "Aquiesce" und "Talk tonight" sind noch zwei weitere B-Seiten hier zu finden und mit ihnen auch die komplette "Some might say" Single. Der Song darf, als erste Nummer 1 von Oasis überhaupt, natürlich nicht fehlen.
Hier kann man sich über Noels Mitarbeit freuen, denn die enthaltenen B-Seiten sind wahrlich besser als die gestanzten Nummer 1 Hits. Genauso verhält es sich mit der "The Masterplan", einst als Track 4 auf der "Wonderwall" Single verhunzt, ist er immer noch eine von Noel Gallaghers größten Kompositionen.
Vom 1997er Album "Be here now", dem Monolith des Größenwahns, findet sich hier kein einziger Song. Die Erinnerung an diesen Mühlstein von einem Album dürfte wohl immer noch schmerzen. Dafür kriegt man vom wirklich schlechten "Standing on the shoulder of giants" "Go let it out" und vom Nachfolger "Heathen Chemistry" "Songbird". Dieser kleine Popwuzzi ist von Liam Gallagher geschrieben und die einzige Nicht-Noel Komposition auf "Stop the clocks". Vom letzten Album "Don’t believe the truth" gibt es dann noch das fade "Lyla" und das tolle "The importance of being idle".
Wirklich ans Eingemachte geht es aber eh nur mit den Tracks von den beiden ersten Oasis Alben "Definitley maybe" und "(What’s the story) Morning Glory". Insgesamt 10 Songs kommen von diesen beiden Platten, die ohnehin jeder, der sich Rockfan nennt, zuhause haben müsste. "Don’t look back in anger", "Wonderwall" und "Live forever" haben sich mittlerweile ins Kollektivgedächtnis eingebrannt, "Supersonic", "Slide away", "Champagne Supernova" und "Cigarettes & Alcohol" sind nicht weniger als großartig. Von 1994 bis 1996 surfte Noel Gallagher auf einer Welle der Unfehlbarkeit und mit den 4 hier enthalten B-Seiten, die allesamt aus dieser Zeit stammen, sind diese Jahre natürlich im Übermaß vertreten.
Da herrschte ja ziemliche Aufbruchstimmung damals im Königreich. England war endlich wieder der Nabel der Popwelt, die englische Fußballnationalmannschaft kickte sich bei der EM im eigenen Land inspiriert bis ins Halbfinale, ein junger, frischgewählter Premierminister namens Tony Blair sollte England in eine goldene Zukunft führen und Oasis schrieben ihre hymnischen Songs dazu, in denen sie sich locker und stilsicher bei dem Besten bedienten, was die englische Pogeschichte hergab – der Melodieseligkeit der Beatles und der Schlampigkeit, dem Lärm und der rotzigen Attitüde der Sex Pistols.
Das ist purer Rock’nRoll. Sturm und Drang. Der Soundtrack zum Erwachsenwerden und Selbstbewusst-die-Strasse-runtergehen.
"I think you’re the same as me
We see things they’ll never see
You and I are gonna live forever"
Es sind diese Songs, wegen denen man Oasis bis heute alles, was danach kam, verziehen hat und die die Hoffnung nähren, von der die Band seit damals lebt – daß sie noch einmal so gut sein könnten. Schon 1997 kam der Absturz. Zuviel Ego, zuviel Koks. Aber das ist eine andere Geschichte und die soll ein anderes Mal erzählt werden.
"But don’t look back in anger
I heard you say."
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