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Rust Never Sleeps
Rust Never Sleeps

Ein Album von Neil Young & Crazy Horse

(1979)



Rust Never Sleeps“ (1979) sollte der letzte große Streich des Kanadiers werden. Für lange Zeit. Bis „Harvest Moon“, das ganze zehn Jahre später kam. Es klingt, als wolle er den Siebzigern eine letzte Moritat schreiben. Statt Drehorgeln auf Jahrmarktsplätzen tönen Gitarren im Konzertsaal.

Es ist der letzte Tanz. Das finale Kapitel. Es gilt sich gut zu rüsten für das nächste Jahrzehnt. Nicht viele Mitstreiter werden es schaffen. Die Totengräber stehen schon Spalier - Duran Duran waren bereits im Studio. LKW mit Tonnen von Haarspray werden vorgefahren. Es heißt sich bereit zu machen zur letzten Rundfahrt; alle einsteigen, Türen schließen, Tüten anzünden. „My My, Hey Hey (Out Of The Blue)“ ist der akustische Abgesang zum Auftakt. Young knallt dem Jahrzehnt die Tür vor der Nase zu. Nicht ohne noch einmal die alten Geister zu rufen. Das mittlerweile zu Tode zitierte ‚It´s better to burn out / Then to fade away’ ließt sich wie ein Rekurs auf Pete Townshends ‚Hope I die before I get old’. Bloß keine Wehmut. Bloß nicht zurückschauen, es war ja auch nicht alles schön. Young hatte die Drogenhölle gesehen, und nur mit Mühe und Not ist er aus ihr wieder hervorgekrabbelt. Sein Gitarrist Danny Whitten hatte es nicht geschafft. Young trauert noch heute.

Für „Ride My Llama“ und „Pocahontas“ braucht es nichts als eine Akustikgitarre, um die Mitreisenden zu beglücken. Auch den Folk-Kitsch von „Comes A Time“ (1978) musste er unbedingt noch mitnehmen, Songs wie „Sail Away“ hatte er schon im Dutzend geschrieben, und Dutzende sollten noch folgen. Doch ohne geht´s wohl nicht.

Für den Rock holt er sich den eingeschworenen Sauhaufen Crazy Horse auf die Bühne. Von der One-Man-Show zum verschwitzen Jam-Kollektiv. Alle stehen dicht, fast verschwörerisch ums Schlagzeug gedrängt. Young lies nie einem Zweifel daran, wie wichtig ihm diese symbolische Gleichberechtigung war. Erinnert sei an Jim Jarmuschs Portrait „Year Of The Horse“, in dem er sich penetrant bescheidnen als ‚Gitarrist von Crazy Horse’ bezeichnet. Zusammen gebären sie Sternstunden. Die herzzerreißende Jungmanntragödie „Powderfinger“ ist vielleicht die größte davon. Ein Knabe muss Heim und Hof vor Räubern verteidigen, der große Bruder ist zum jagen in den Bergen. Er weiß, dass seine Chancen schlecht stehen. Schon die erste Kugel trifft. Vor dem Schicksaal gibt es kein Entrinnen, doch auch noch nach dem Tod des lyrischen Ichs leiht Young ihm seine Stimme. ‚Shelter me from the powder and the finger / Cover me with the thought that pulled the trigger.’

„Sedan Delivery“ ist pures Gaspedaldurchtreten. Ein Song, der rumpelt und grollt. Frank Molina, Billy Talbott und Frank Sampedro spielen beseelt und knochentrocken zugleich. Nicht virtuos, aber ehrlich. Young hatte sich für seine Gitarre einen grummelnden, brutzelnden Fuzz-Sound ausgesucht. Seine Solos klingen wie ein schlechter Witz.
Bei Drummer Talbot hört es sich an, als würde er auf Sandsäcke eindräschen. Mit einem Rhythmusgefühl, das an Arthrose gemahnt. Aber das Gesamtkunstwerk ist es, was zählt. Niemand konnte so spielen wie diese Band. Bis heute kann es keiner.

Dann der Abspann: „Hey Hey, My My (Into The Black). Die Reise ist zu Ende. Die Achtziger stehen vor der Tür. Bald gibt es keine Rhodes-Pianos mehr, dann regiert das Familien-Keyboard von Yamaha. Der Winter wird lang und kalt. Es scheint, als ob Young und Co. überhaupt nicht aufhören, als ob sie ewig weiterspielen wollten. Noch mal die Strophe, noch mal die Bridge, und noch ein Solo hinterher. Nur noch eine Stunde, nur noch einen Tag. Der Vorhang fällt.

Eine Rezension von Gordon Gernand
(16. Juli 2007)

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Daten zum Album
Rust Never Sleeps 1979
Produktion
Interpret Neil Young & Crazy Horse Besetzung
Aufnahmedatum 1979
Gastmusiker
Label Lauflänge 38:16
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