Death Magnetic

Ein Album von Metallica
Metallica sind zurück. Eine viel (zu oft) bemühte Aussage dieser Tage. Doch, tatsächlich, sie trifft zu- Denn schon nach dem atmosphärischen Intro des Openers von „Death Magnetic“ wird klar: Hetfield und Co sind tatsächlich, wie in unzähligen Interviews vollmundig angekündigt, wieder dort angekommen wo sie hingehören.
Nämlich am Thron des Heavy Metal. Einem Platz, dem sie Mitte der 90er nach einer Endlos-Tour zu ihrem größten Streich, dem „Black Album, wohlweislich den Rücken gekehrt hatten.
Nur um in befremdlichen Alternativegefilden (mit den Alben „Load“ und „Re-Load“) oder im noch unsäglicheren Nu-Metal Lager (mit dem desaströsen und gründlich misslungenen Comebackversuch „St.Anger“) zu wildern.
Doch diese mehr als 15(!) Jahre andauernde Selbstfindung der einst ambitioniertesten Metalband aller Zeiten scheint nun endgültig zu Ende zu sein.
Unter der Regie des exzentrischen Starproduzenten Rick Rubin(Johnny Cash und Slayer) lassen sie mit "Death Magnetic" ein bewusst old schooliges Thrash Metalabum auf die Menschheit prasseln, als schrieben wir das Jahr 1988.
Der geduldige Metallica - Fan hat dem Quartett sowieso schon nach den ersten paar Songs die Entgleisungen früherer Zeiten vergeben - denn das ist 100 % Metallica wie man sie kennt und liebt.
Allerdings weniger wie zu den songorientierten Zeiten des Black Albums sondern eher wie bei „….And Justice For All“(AJFA), das sicherlich das anspruchsvollste Werk der San Francisco Metallarbeiter darstellt. Wer also Metallica-Fan seit dem ersten Album anno 83 ist wird erleichtert aufatmen-
Hetfield unterlegt die Fingerbrech-Giarrensoli von Michael Schenker-Adept Kirk Hammett, der scheinbar wieder richtig Bock auf ausgedehnte Griffbretthexerei hat und gar nicht die Finger vom Vibratohebel seiner Gitarre oder den Fuß vom Wah Wah Pedal nehmen kann(kein Wunder nachdem er bei St.Anger genau 0 Soli spielen durfte), mit fetten atonal-groovigen Riffs und klingt dabei so angepisst und gleichzeitig so gut bei Stimme wie seit Jahren nicht- Idealvoraussetzung also für ein klassiches Metalabum.
Somit ist „Death Magnetic“ gleich eine doppelte Rückbesinnung auf die glorreiche Vergangenheit: man bekommt einerseits perfekt und fett-drückend produzierten hochmelodischen Stadion Metal (wie bei „The Day That Never Comes“) aber auch progressiven und hochkomplexen Thrash Metal wie zu AJFA“-Zeiten(siehe die Tracks „Cyanide“ oder „Broken,Beat and Scarred).
Diese totale nostalgische Rückbesinnung ist jetzt nicht sonderlich innovativ und ein paar Songs klingen tatsächlich wie umarrangierte Hits früherer Alben - aber gut, AC/DC macht man ja auch keinen Vorwurf, dass sie seit 30 Jahren das gleiche Album veröffentlichen.
Verstärkt wird dieser Eindruck allerdings noch durch die in die Songs eingeflochtenen Sebstzitate, besonders offensichtlich bspw. bei der ersten Singleauskopplung „The Day That Never Comes“(der gleichzeitig einen der besten Songs des Albums darstellt) und dem an „Creeping Death“(Song von Metallicas zweitem Album „Ride The Lightning“)-angelehnten „The End of the Line“.
„Death Magnetic“ hätte es jedoch gut getan, wenn man nicht alles von „AJFA“ übernommen hätte und sich mehr an der Kompaktheit des Schwarzen Albums gehalten hätte(was bei vielen Songs auch blendend funktioniert hat). Denn obgleich "AJFA" das anspruchsvollste Album der Band darstellt, wirkte die Disc teils überladen. Ein Attribut, das leider auch einige der neuen Songs teilen-wobei wir uns längst nicht in Mathe-Metal Gefilden wie bei Trivium befinden.
Man kann eben nicht alles haben und etwas zu spielfreudige Metallica(bezogen auf die etwas zu langen Songs, die teils ziellos umherirren sowie die ab und an eher wirren(streckenweise unmelodischen) Soli) sind besser als gar keine Metallica.
Die neuzeitlichen (Neo-)Thrash Bands haben die ´tallica Jungs(wie sie auch liebvoll genannt werden) sowieso schon deutlich hinter sich gelassen-
Und obwohl nicht jeder Song der versprochene Heilsbringer für die darbende Metalgemeinde geworden ist, gibt es unter den 10 Song genug starke Momente, die beweisen, dass auch Jahre nach den ersten Rumpel-Thrash Metal Gehversuchen Metallica noch immer eine Macht sind, mit der man rechnen muss.
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