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Lulu RSS 1.0


Lulu
Lulu

Ein Album von Metallica & Lou Reed

Mit bebender Stimme rezitiert Altmeister Lou Reed dunkle Gedankenfetzen über Sex und Gewalt und im Hintergrund bricht plötzlich ein Orkan los: Unbarmherzig holzen sich James Hetfield, Kirk Hammett, Lars Ulrich und Robert Trujillo durch kolossale Metal-Riffs.

So könnte man das Prinzip von „Lulu“, dem neuen Album/Bandprojekt von Reed und Metallica, auf den Punkt bringen. Ein auf den ersten Blick nicht eben berauschendes und vor allem gut zusammenpassendes Konzept – das jedoch weit vielschichtiger ist, als es diese Synopsis suggerieren mag – zumindest, wenn man den hellauf euphorisierten Beteiligten Glauben schenkt.
Reed selbst, etwa nannte die Platte das Beste, was er je gemacht habe. Kühne Worte eines Mannes der immerhin schon seit den 60ern bedeutende Alben (zB. mit The Velvet Underground oder als Solokünstler auf „Transformer“) aufnimmt.
Doch worum geht es überhaupt?:
Basierend auf Frank Wedekinds beiden Tragödien „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora““ bzw. der Oper des österreichischen Komponisten Alban Berg wird die Geschichte der Femme Fatale Lulu erzählt. Dieser aufreizende Weibsteufel bringt seinen zahlreichen ihm verfallenen Liebschaften nur Tod und Verderben. Bis zu jenem Moment als Lulu – als Gelegenheitsprostituierte arbeitend – auf Jack The Ripper trifft………….

Es ist nicht schwer, nachzuvollziehen warum einen Chronist menschlicher Abgründe, wie Reed einer ist, ein so düsterer Ausgangstoff fasziniert. Schade ist nur, dass diese Re-Interpretation in einem Rock/Metal-Kontext ähnlich mühsam-anstrengend ausfällt wie die bekannte 12-Ton Oper.

Dass die Platte zum Release weitgehend auf Unverständnis traf, ist deshalb wenig verwunderlich.
Denn leicht macht es einem das Album zu keinem Zeitpunkt. Die Platte ist so für viele sicher allzu schwer zugänglich und stellt das genaue Gegenteil von kommerziell dar. Einzelne Songs herauszupicken fällt schwer. Die Platte funktioniert schlicht nur als Gesamtkunstwerk.

Ein Kunstwerk jedoch, mit dem der Metallica-Jünger und eingefleischte Metalhead dank der „Vorträge“ und losen Assoziationsfetzen Reeds nichtviel anfangen wird können - im Internet kursieren auf youtube deshalb schon von Reeds Vocals befreite Versionen. Der Reed-Anhänger wiederum ist zwar vom Meister selbst schon allerlei Wüstes gewohnt – ob er sich mit den Thrash Metal Geholze von Hetfield und Co anfreunden kann, bleibt mehr als fraglich.
Der Versuch die Scheibe - so wie das Hetfield beschworen hat - als total eigenständiges Projekt zu betrachten fruchtet auch nicht viel mehr:
Denn dafür ist der musikalische Stilbruch auf beiden Seiten zu gering und ergibt somit kein wirklich homogenes Ganzes: Lou Reed bleibt bei seinen Rezitationen und Metallica kochen dank des recht konsequenten Einsatzes bewährter Thrash-Trümmer-Riffs ihr eigenes Süppchen.

Mit einer ausufernden Länge von ca.90 Minuten Spielzeit auf gleich 2 CDs aufgeteilt ist „Lulu“ ziemlich lang geworden und kein Album für zwischendurch. Will man die spröden Klanglandschaften dennoch auf sich wirken lassen (denn eigentümlich interessant ist dieses Projekt schon), muss man viel Zeit mitbringen – und noch mehr Geduld.

Die Scheibe umgibt das Flair einer avantgardistischen Kunstexeperiments, das letztlich aber einen allzu zwiespältigen Eindruck beim Hörer hinterlässt. So wandert „Lulu“ in der 2011er Version zwischen echtem künstlerischem Anspruch und verirrtem Hirngespinst und erinnert in weiten Teilen damit an modernes Theater für die Ohren.

Eine Rezension von Anatol Holzbauer
(14. Januar 2012)

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Daten zum Album
Lulu
Produktion
Interpret Metallica & Lou Reed Besetzung
Aufnahmedatum
Gastmusiker
Label Lauflänge
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