Bad Vibes - Britpop und der ganze Scheiß

Ein Buch von Luke Haines
Luke Haines hätte es geschafft. Zumindest beinahe.
In den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts steht er mit seiner Band kurz vor dem Ziel.
Er hat einen Plattenvertrag, wird für einen Mercury Music Prize nominiert und darf zwischen London und Frankreich, wo er erfolgreicher als in der britischen Heimat ist, hin-und her jetten.
So weit so gut – Doch dann geht alles schief-
Desaströse Konzerte, Haines´ Ego und das Faktum, dass Oasis und Blur an ihm erfolgstechnisch vorbeiziehen, besiegeln seine noch junge Karriere.
Und das alles, obwohl doch eigentlich alles so gut angefangen hatte:
Schlechte Schwingungen zeichnen sich ab……. ganz schlechte Schwingungen.
„Bad Vibes“ ist die mitunter skurrile Geschichte von geplatzten Träumen, nur beinahe verwirklichten Ambitionen und so letztlich eine Chronik des Scheiterns.
Dabei ist die im Buch entworfene Story mintnichten fiktiv -
Denn ihr Autor war in den Neunzigern Kopf der Band „Auteurs“, der allerdings, wie schon eingangs beschrieben, tatsächlich keine allzu große Karriere beschieden war.
Die englische Originalversion von „Bad Vibes“ erschien schon im Vorjahr, der Heyne Verlag bringt nun die deutscher Übersetzung im Rahmen der Heyne Hardcore-Reihe in die Buchläden.
Und trotz des Titels dieser Reihe und obwohl sich das Buch damit in illustrer Gesellschaft etwa zum Roman-Metzger Jack Ketchum befindet , ganz so starker Tobak ist Haynes´ Geschichte dann doch nicht.
Er rekapituliert vielmehr den Zerfall der Auteurs aus seiner subjektiven Sichtweise und beleuchtet dabei gleichzeitig einen kleinen Abschnitt der britischen Musikszene der Neunziger Jahre.
Der Querkopf Haines gefällt sich dabei überaus gut in der Rolle des grantelnden Misanthropen, überschätzt dabei jedoch seine eigene Wichtigkeit.
Das Buch stellt zum einen seine übelst gelaunten Memoiren und zum anderen seine sarkastische Abrechnung mit dem Nineties-Britpop (einem dehnbaren Genre, zu dem sich Haines, im Gegensatz zur Ansicht mancher Kritiker, absolut nicht zugehörig fühlt…..) dar.
Der im Vergleich zur deutschen Version wesentlich weniger derb ausgefallene Untertitel der englischen Originalfassung „Britpop and my part in it´s downfall“ weist schon darauf hin.
Trotz dieses Titels konnte Haines – damals wie heute - natürlich nicht wirklich etwas gegen Oasis und Blur ausrichten. Noel und Liam von Oasis besiegelten vielmehr das Ende ihre Band erst kürzlich höchstselbst und da hatte Haines wohl kaum die Finger im Spiel – obwohl es ihn wahrscheinlich gefreut hat.
Man muss den Neunziger Jahre-Britpop also wirklich nichts abgewinnen können, um sich Haines´ bissige und bisweilen auch selbtsironische Schilderungen seiner Beinahe-Karriere zu geben.
Auch den Autor selbst muss man nicht unbedingt mögen (oder kennen) um seine Hasstiraden gegen Plattenfirmen, die Musikindustrie als solche und die ehemaligen Konkurrenten der Auteurs zu lesen.
Wer die mehr oder minder vergessenen Werke der Auteurs oder gar Platten von Haines´ noch obskureren späteren Projekte, wie Baader Meinhof , zu Hause stehen hat und auch noch mag, wird allerdings wesentlich leichter über manch allzu lange, selbstverliebte und/oder dröge Stelle im Buch hinweglesen.
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