KISSology Vol 1,2 und 3

Ein Album von KISS
Oft zu Unrecht als reiner Comic-Act wegen ihrer irren Bühnenshows und der Schminke belächelt gibt es wenige Bands, die über die Jahre geschäftstüchtiger waren.
Die Rede ist natürlich von KISS: der selbst proklamierten „hottest band in the world“.
Seit den 70ern sind KISS absoluter Kult.
Und schon immer ging mit der hart rockenden Musik, die aus dem Glamrock der frühen Siebziger entstand eine unglaubliche Marketingmaschinerie einher.
Vom (angeblich) mit dem Blut der Musiker gedruckten Comics über Action-Figuren: alles da.
Ja, der beinharte Fan kann sich sogar im Kiss-Sarg zur letzten Ruhe betten lassen und sich in den Fanclub ,die Kiss Army ,einschreiben lassen.
Man sieht, also es gibt eigentlich nichts was es nicht gibt – im Land von Paul Stanley, Gene Simmons und ihren wechselnden Mitstreitern an der Leadgitarre und den Drums.
Nur das DVD-Format wurde bislang unerklärlicherweise etwas stiefmütterlich behandelt.
Doch damit ist jetzt endlich Schluss.
Und obwohl so manche Ankündigung aus dem Kiss- Lager vielen als allzu großspurig und vollmundig vorkommt:
Mit dem Kissology – Projekt hat sich die Band nicht lumpen lassen, sondern ihrem an Veröffentlichungen nicht gerade armen Backkatlog etwas „Ultimatives“ hinzugefügt.
Eagle Vision bringt drei randvolle Boxsets als Kissology Vol. 1, 2 und 3 auf den Markt.
Und wie der Name schon vermuten lässt, wird der Werdegang der Band chronologisch nachgezeichnet.
Und zwar großteils anhand von Livemitschnitten, neben Schnipseln aus diversen TV – Sendungen etc.
Ja, richtig gelesen: das heißt nichts anderes als Vintage Kiss Live und Uncut. – und das in rauen Mengen.
Doch widmen wird uns den im wahrsten Sinne des Wortes prall gefüllten Boxen im Einzelnen.
Vol.1 spannt den Bogen von 1974 bis 1977.
Somit steht die klassische Phase und die wahrscheinlich beste Inkarnation der Band im Mittelpunkt. Simmons und Stanley meinen zwar, dass sie heutzutage nicht mehr selbst auf Tour gehen bräuchten und nur gemietete Musiker in die typischen Kostüme stecken und ihnen Schminke ins Gesicht klatschen müssten, da es ja eh nur ums Image und die optische Erscheinung geht und so gut wie niemand die Männer hinter den Masken kennt, doch die Aufnahmen auf Vol. 1 beweisen das genaue Gegenteil. Zwischen der ursprünglichen Besetzung mit Peter Criss an den Drums und Ace Frehley an der Les Paul herrschte eine ganz eigene, wenn auch fragile, Chemie.
Kiss waren hungrig und die Konzerte wirken stets irrsinnig Energie geladen.
Die Songs kommen roh und ungeschliffen rüber. Immer wieder heult das Feedback aus den Boxen.
Man gibt sich betont rumpelig .
Leider passt dazu auch die Video und Audioqualität. Die ist nämlich typisch für so manches 70er Jahre Material, also logischerweise nicht eben auf heutigen Bildschärfestandards.
Dennoch sind diese Aufnahmen von (für hartgesottene Fans) unschätzbarem Wert. Es ist zudem zu vermuten, dass es einfach keine besseren Aufnahmen gab. Außerdem was nicht an überragender Bild und Tonqualität geboten wird, wird mit schierer Quantität wettgemacht.
So schlägt Box 1 mit einer Spielzeit von sage und schreibe über 6 Stunden zu Buche.
Ähnlich gigantisch fällt auch Box 2 die den Fan sogar mit ganzen 4 Discs erfreut.
Wir kommen in den Jahren 1978 bis 1991 an. Eine lange Zeit, die auch an KISS nicht spurlos vorrüberging und in der sich die Band relativ stark veränderte.
Disc 1 und 2 widmen sich noch den „maskierten“ KISS und man kommt sogar in den Genuss des ultra-seltenen „Kiss in Attack Of The Phantoms“ Streifens.
Auf Disc 3 fallen dann die Masken. Kiss schminken sich ab, was auf die Dauer auch nicht das wahre war. Das erkannten auch Simmons und Stanley- zwar eher spät, aber besser als nie. Nach einer Imagekorrektur in den 90ern entfernte man sich vom posigen Hairmetal und wandte sich Leder und Motorcycles zu. Eine ähnliche Wandlung machten ja auch Mötley Crüe mit ihrem Girls Girls Girls – Album durch. Und wie der Mötley – Konkurrenz brachte auch Kiss der behutsame Imagewandel nur Positives.
All das dokumentiert Vol 2. Somit ist sie für manchen Fan vielleicht weniger kultig als die erste Volume der Kissology. Und obwohl die Kiss der Siebziger fraglos die bessere Band waren muss man jetzt endlich einmal festhalten: Trotz der unsagbar geschmacklosen Klamotten(Gut für manchen mag schon die Sado Maso Lederkluft mit den Nieten aus der Hochzeit der Band zu viel gewesen sein, aber dennoch……) und der teils allzu sehr auf Mainstream –getrimmten Songs waren KISS in den Eighties eine der besten Hairbands. Man mag ihnen nun diese Anbiederung an die Trends der 80er ankreiden, Fakt ist dennoch : diese oft belächele Phase der Band ist besser als gemeinhin angenommen wird. Dafür ist allein schon Kissology Numero 2 Beweis genug. Auch wenn natürlich – mit Ausnahme von Gitarrero Kulick – kein neues Mitglied auch nur annähernd mit der Stammbesetzung mithalten konnte.
Neben dem eh schon essentiellen Konzertmaterial warten die Boxen 1 und 2 noch mit aufwändigen Booklets und Candies in Form einer Eintrittskarte bzw. einem Backstagepasses auf.
Kiss-Fan was willst du mehr? Klar, die Qualität der Mitschnitte ist von der rein musikalischen Seite tadellos von der Bildqualität aber nur durchschnittlich.
Doch was einem auf insgesamt 7 Discs geboten wird, ist einfach Pflichtprogramm für Fans.
Nicht anders verhält es sich mit dem dritten Boxset, das den neuesten Eintrag in der Kissology darstellt :
Vol. 3 erfreut den Fan mit ganzen 5 Discs. Diesmal stehen die Jahre 1992-2000 auf dem Programm. Die Qualität der hier gezeigten Gigs variiert wie schon bei den vorherigen beiden Boxsets recht stark.
Der ultra-rare Mitschnitt vom MTV-Unplugged Konzert stellt dabei das Highlight der Box dar und erfreut mit Gastauftritten der Originalmitglieder Ace Frehley und Peter Criss (die ja zum damaligen Zeitpunkt noch nicht wieder zum Line Up gehörten).
Die Impressionen von den Reunion-Shows der Neunziger geraten im Vergleich dazu allerdings gleich doppelt krud: Sowohl von der technischen als auch von der musikalischen Seite, wo ein bisschen ziellos drauflos gebolzt wird. Das wird aber wieder durch die bloße Masse an Material wieder mehr als gut gemacht.
Vol. 3 bietet dem Sammler und Komplettisten ein umfangreiches Paket, obwohl die Candies wie zB. die schöne Eintrittskarte bei dieser Volume fehlen.
Dennoch: Auch die 2010 neu erschienene Nummer 3 der Kissology ist natürlich Pflicht für langgediente Soldaten der Kiss-Army.
Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen
|