Live At Montreux 1994

Ein Album von Johnny Cash
„Hi ! Im Johnny Cash.“
Dieser legendäre Satz fällt erst als Kris Kristoffersons „Sunday Morning Coming Down“ angestimmt wird.
Davor hat das Publikum schon die Boom-Chicka-Boom Vollbedienung in Form der Songs „Folsom Prison Blues“ und „Get Rhtyhm“ erhalten.
Boom Chicka Boom ist der lautmalerische Begriff, der den urtümlichen Sound von Johnny Cashs Gitarre und seiner Band beschreiben soll. Und wer den Livemitschnitt „Johnny Cash At Montreux“ von Eagle Vision einlegt, weiß spätestens genau dann wovon die Rede ist:
Der Man In Black himself ist in Montreux angekommen.
Johnny Cash besuchte das renommierte Festival, an dem, auch wenn es der Name nicht vermuten lässt, längst nicht nur dem Jazz gefrönt wird, anno 1994.
Ein bedeutendes Jahr für seine Karriere.
Erst kürzlich hatte er das düstere erste American Recordings Album mit Produzenten-Rübezahl Rick Rubin aufgenommen.
Näheres zu den interessanten Recordingsessions und der Arbeit mit Rubin, die bis zu Cashs Tod im Jahr 2003 andauern sollte ,gibt es in meinem Review zu „Unearthed“; siehe Link unten!
Das American Recordings Album war jedenfalls ein großer Hit, weswegen das Set, das Johnny in Montreux spiet auch quasi zweigeteilt ist.
Zum einen werden Klassiker aus Cashs langer Karriere gespielt („Guess Things Happen That Way“)und zum anderen Stücke neueren Datums(„The Beast in Me“), die eben zum damaligen Zeitpunkt erst veröffentlicht worden waren.
Begleitet wird Cash dabei von einer ganz besonderen Band:
Die zweite Akustikgitarre bedient nämlich sein Sohn John Carter Cash.
Bob Wootton twangt als Leadgitarrist an der E-Gitarre und Dave Roe slapt den Kontrabass.
An den Drums sitzt ein langjähriger Wegfährte Cashs, W.S. Holland genannt „Fluke“. Der spielte schon bei Carl Perkins ua. auf der legendären Aufnahme von „Blue Suede Shoes“.
Überhaupt beschwört Cash mehr als einmal die Rockabilly-Jahre der 50er herauf, wenn er genretypsich ins Mikros schreit und jauchzt während neben ihm der Slapbass abgeht.
Wie Johnny während des Konzerts einmal selbst anmerkt, fast wie damals-
Als Johnny mittendrin in der Rock N´ Roll-Revolution stand und noch bei Sam Philips Sun Studio unter Vertrag stand.
Auf diese Zeit bezogen zeigt Johnny dem Publikum auch wie er damals den Sound einer Snare-Drum imitierte, indem er ein Blatt Papier zwischen Saiten und Griffbrett seiner Akustikgitarre steckte.
Nach dem Exkurs in die Anfangstage seiner Karriere, verlässt die Band die Bühne, Johnny nimmt seine pechschwarze Signature-Gitarre der Firma Martin in die Hand und spielt Songs des ersten American Albums.
Ganz allein, ohne Begleitung. Nur ein Mann und seine Gitarre, ganz so wie auf den eigentlichen Aufnahmen: ua. “Delias Gone”, “Tennessee Stud “ oder Leoard Cohens „Bird on a Wire“.
Gegen Schluss zu gibt es dann wieder eine Rückkehr zu den Greatest Hits mit „Big River“
zusammen mit der ganzen Band. Johnnys Ehefrau June Carter Cash kommt auch für zwei Songs auf die Bühne- gemeinsam stimmt die ganze Cash-Familie „Will The Circle Be Unbroken“ an. Einfach herrlich diese Familiensession.
Das Finale bilden dann „San Quentin“ und „The Next time I´m In Town”.
Dann verlässt der Man In Black die Bühne-Es war ein atmosphärisch überaus dichtes Konzert.
Allzu viele Mitschnitte Cashs gibt es ja leider nicht, dieser ist ein echtes Highlight.
Fazit: Ein wunderbarer Gig in toller Qualität festgehalten- zum immer wieder ansehen!
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