American VI: Ain´t No Grave

Ein Album von Johnny Cash
There ain´t no grave gonna hold my body down”
Nun ist es endlich soweit: Eines der am sehnlichsten erwarteten Alben ist, pünktlich zu dem Datum an dem Johnny Cash seinen 78. Geburtstag gefeiert hätte, erschienen: der sechste Teil in der American Recordings-Reihe.
Produziert wurde das Album wieder von jenem Mann der einst Cash aufs American Label holte und der zum damaligen Zeitpunkt-vor der Zusammenarbeit mit einer der größten Legenden- als Producer von Hip Hop und extremem Metal bekannt war: Rick Rubin.
Auch wieder mit dabei sind Mike Campbell und Benmont Tench von Tom Pettys Heartbreakers. Ersterer unterlegt die Songs mit seinen Kollegen Smokey Hormel, Matt Sweeney und Johnny Polosky mit geschmackvoller Gitarrenarbeit, letzterer mit dem sparsamen Einsatz von Harpsichord und Piano.
Die Instrumentierung erinnert dabei in ihrer bewusst gewählten Reduziertheit an den Vorgänger „A Hundred Highways“.
Darin liegt auch eine urwüchsige Kraft, die eine ganz eigene Atmosphäre zu schaffen vermag.
Da ist allein schon der erst, titelgebende Track mit der über allem thronenden Stimme Cashs.
Dazu das Stampfen und das gespenstische Rasseln von Ketten, die sich zu einem rhythmischen Sog entwickeln, dem man sich nicht entziehen kann.
Zu sagen, dass dieses Album beim Anhören eine Gänsehaut bereitet, klingt wie ein allzu oft bemühtes Klischee: Nichtsdestoweniger trifft es bei „American VI“ vollends zu.
Das sechste Kapitel in der American-Reihe setzt den Weg der Vorgänger jedenfalls konsequent fort und personifiziert all das, was im Mainstream-Country der amerikanischen Hitparaden fehlt und einfach abhanden gekommen ist.
Es ist diese unsagbar düstere Musik, die eine persönliche Intensität erreicht, von der der Nu Country nur träumen kann.
Die beherrschenden Themen sind wie schon bei den Vorgängern der „American“-Reihe die Existenziellen: Liebe, Tod, Verlust und Schmerz.
Und der Abschied, wie etwa bei “A Satisfied Mind”, das schon auf dem Soundtrack zu Quentin Tarantinos “Kill Bill Vol.2” zu finden war: “But one thing's for certain when it comes my time,
I'll leave this old world with a satisfied mind“.
Nur dass dieses Album bei aller Düsternis zu keinem Zeitpunkt hoffnungslos ist.
Ganz im Gegenteil, allein schon am Cover sieht man – im Gegensatz zu den bisherigen American Alben- ein Bild vom ganz jungen Johnny, der einen anlächelt.
Die Songauswahl setzt sich aus einer Cash-Eigenkomposition „ I Corinthians 15:55“ und handverlesenen Coverversionen zusammen.
Sheryl Crows „Redemption Day“ bringt Cash an ganz andere Orte, als die aparte Songwriterin und auch Kris Kristoffersons Breakup-Song „For The Good Times“ erhält in der auf „American VI“ zu hörenden Version eine ganz eigene Konnotation: “Don´t look so sad, I know it´s over”.
Beim letzten Track ”Aloha Oe” schließt sich dann wieder ein Kreis: Den Song aus der Feder der hawaiianischen Königin Lili´uokalani nahm auch Elvis Presley für “Blue Hawaii” im Jahre 1961 auf.
Auf der CD-Hülle von „Ain´t No Grave“ klebt ein Sticker, der „American VI“ als „Johnny´s Final Studio Album“ ausweist:
Nach dem Verklingen des letzten Tracks dieses starken Albums, möchte man genau das aber einfach nicht wahrhaben.
Nun, angeblich gibt es noch unveröffentlichtes Material, dass zB. in einer Nachfolgerbox zu „Unearthed“ eventuell doch noch veröffentlicht werden wird:
Man kann es nur hoffen.
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