So Many Roads: An Anthology 1964-1974

Ein Album von John Mayall
Neben der ebenfalls von mir besprochenen brandneuen „A Complete Introduction To Chess“ geht es bei Universal mit einem anderen Boxset gleich bluesig weiter.
Diesmal begeben wir uns allerdings nicht in die Windy City Chicago sondern nach Europa: ins Vereinigte Königreich um genauer zu sein.
Denn dort kam es in den Sechzigern zu einem musikalischen Phänomen, das einige der wichtigsten Gitarristen aller Zeiten hervorbringen und den Ort Surrey einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen sollte.
Bei dem natürlich von amerikanischen Vorbildern inspirierten Phänomen, von dem hier die Rede ist, handelt es sich natürlich um die British Blues Explosion.
Und John Mayall sollte zu einer der wichtigsten Figuren dieser Bewegung werden.
Hätte der gute Mann nur unter seinem eigenen Namen allein Bluesplatten veröffentlicht und die Songs seiner Idole solo in den Bars und Kneipen im United Kingdom gespielt, ihm wäre wohl ein Platz in der Musikhistorie sicher gewesen.
Doch Mayall erwarb sich noch mehr Verdienste:
Denn seine Band, die Bluesbreakers, war von beständigen Besetzungswechseln gekennzeichnet.
In kurzer Abfolge spielten bei Mayall eine Reihe der begnadetsten und herausragendsten Gitarristen ever: Mr: Slowhand himself, Peter Green, Mick Taylor……um nur einige zu nennen.
Die weiteren Werdegänge jener Männer sind einschlägig bekannt:
Peter Green gründete Fleetwood Mac, Mick Taylor kam bei den Stones unter und über Claptons Werdegang braucht man wohl keine Worte mehr zu verlieren.
Sieht man sich die Riege an Saitenvirtuosen, die bei Mayall spielten, an, so ähnelt seine Rolle in gewisser Weise jener, die die Yardbirds innehatten. Auch diese Band war (neben ihren guten Songs) ja dafür bekannt, dass Clapton, Jeff Beck und Jimmy Page in ihren Reihen die Sechssaitige zum Schwingen brachten.
Dass Mayall allerdings „seine“ Gitarristen in letzter Konsequenz, genauso wie die Yardbirds, nie sehr lange halten konnte, schien ihn scheinbar nicht allzu sehr zu stören.
Unbeirrt machte er weiter sein eigenes Ding, veröffentlichte Platte um Platte, entdeckte dabei immer neue Gitarristen (wie etwa Walter Trout!) und tourt unermüdlich bis heute.
Als schöne Retrospektive steht nun eine Werkschau Mayalls in den Läden - Eine 4 Disc lange Kompakt-Rückschau auf 11 Jahre feinsten britischen Blues – beginnend im Jahre 1964 und endend 1974.
Klar, Mayall war auch weit über diesen Zeitraum hinaus überaus aktiv – dennoch sind dies die goldenen Jahre. Die Box widmet sich also jener Zeit, die man als Hochphase Mayalls bezeichnen kann – die bereits erwähnte Zeit mit Clapton, Green, Taylor oder auch die Kollaboration mit Paul Butterfield.
Die Aufmachung ist dabei die gleiche wie bei der ebenso liebevoll gemachten Chess-Box:
4 Discs mit insgesamt 74 Tracks und einem sehr sehr schön gestalteten Booklet mit teils unveröffentlichten Fotos sowie ausführlichen Angaben zum jeweiligen Personal der Aufnahmesessions.
Natürlich könnte man jetzt wieder über die subjektiv erfolgte Auswahl der Songs debattieren –
dennoch bietet die Box einen relativ guten Kurz-Überblick über Mayalls Karriere von Mitte der Sechziger bis Mitte der Siebziger.
Negativ fällt hier allerdings schon auf, dass die wichtigste Mayall-Periode – natürlich jene in der Clapton seine Gibson Les Paul in den Marshall Bluesbreaker Amp stöpselte - mit nur 11 Songs abgehandelt wird. Immerhin gibt es aber nicht nur Cuts vom legendären „Beano“-Album sondern auch einige nicht allzu oft gehörte Liveaufnahmen aus dieser Zeit zu hören – zB. stürmische Versionen von „They Call It Stormy Monday“ und „Have You Ever Loved A Woman“ bei dem Clapton von seinem späteren Cream-Kollege Jack Bruce am Bass begleitet wird.
Fazit:
Legendäre Musik in reizvoller Aufmachung.
Eine Box wie diese ist einfach was für den Sammler, und macht auch dann Freude wenn man die Songs bereits kennt und schon die Mayall-Diskographie zu Hause stehen hat.
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