Black Rock

Ein Album von Joe Bonamassa
Blues und Bozouki!?
Unter diesem Motto, könnte das neueste Studiowerk des New Yorker Bluesrock-Gitarristen Joe Bonamassa stehen.
Zugegeben etwas plakativ aber dennoch irgendwie passend:
Denn Bonamassa, der völlig zurecht als einer der heißesten Blueser seiner Generation gilt, zog sich für die Aufnahmen auf die wunderschöne Kykladeninsel Santorin zurück um in den titelgebenden Black Rock-Studios von Kostas Kalimeris das aufzunehmen, was schließlich sein neues Album werden sollte.
Nun zuerst wollte Joe nur ein paar Tracks dort aufnehmen, am Ende wurde dann, erneut unter der Ägide von Produzent Kevin Shirley, das ganze Album auf Santorin eingespielt - und wen wundert es ernsthaft bei der Traumkulisse!
Und eine Erkenntnis reift im Hörer: Irgendetwas muss dieser Joe Bonamassa wohl richtig machen.
Wie sonst ist der unglaubliche Lauf und die scheinbare Bilderbuchkarriere des New Yorker Bluesrockgitarristen sonst zu erklären?
Im letzten Jahr hatte er ein umjubeltes und ausgiebig auf DVD dokumentiertes Gastspiel in der Royal Albert Hall, bei dem er eines seiner größten Idole als Gast auf der Bühne begrüßen durfte: Mr. Slowhand höchstpersönlich, Eric Clapton.
Und auch bei „Black Rock“ gelang Bonamassa wieder die Zusammenarbeit mit einem seiner Vorbilder: Zusammen mit Blueslegende BB King spielt er sich durch eine beschwingte Version von Willie Nelsons „Nightlife“, dass BB einst für sein „Blues Is King“-Album selbst aufnahm. Zwar trafen sich die beiden aus terminlichen Gründen nicht in persona im Studio, davon merkt man beim fertigen Track jedoch nicht unbedingt viel. Das Zusammenspiel des Altmeisters und des jungen Adepten gerät zu einem der Highlights des gesamten Albums.
Und dann ist da noch das Gesetz der Serie, dem Bonamssa unbeirrt zu folgen scheint: Denn bislang war es so, dass ein Bonamassa-Album immer noch um ein Quäntchen besser als das letzte war: Auch das 2010er „Black Rock“ macht da keine Ausnahme.
Es ist kaum übertrieben vom bislang besten Bonamassa-Album zu sprechen, sicher ist es eines seiner abwechslungsreichsten.
Joe beweist dabei einmal mehr ein überaus glückliches Händchen bei der Auswahl der Coverversionen, die den Großteil des Albums ausmachen.
Demütig, jedoch in weiser Selbsterkenntnis, sieht er sich weniger als Songwriter denn als Interpret.
Robert Plant höchstselbst schlug Joe Bobby Parkers „Steal Your Heart Away“ vor und die handverlesenen Coversionen mit Material von so unterschiedlichen Künstlern wie John Hiatt, Otis Rush oder James Clark fügen sich mit den 5 Bonamassa-Eigengewächsen zu einem homogenen und schlüssigen Ganzen zusammen.
Und das obwohl sich der gute Joe auch an Songs wagt, die man eigentlich besser lassen sollte.
Wie etwa an Leonard Cohens „Bird On A Wire“.
Doch selbst da geht die Rechnung auf. Joe, der sich offenbar vom Lokalkolorit des Studios ansprechen hat lassen, verleiht der Leonard Cohen-Nummer dabei einen – beim ersten Anhören zugegebenermaßen reichlich gewöhnungsbedürftigen – Worldmusic- und Ethnoanstrich mit griechischen Gastmusikern an Bouzouki & Co: Ein interessanter Ansatz , amerikanische Musik mit mediterranen Einflüssen zu verbinden.
Und dass der gute Joe nun schon seit geraumer Zeit in den Leserpolls diverser Gitarrenmagazine weit vorne liegt kommt auch nicht von ungefähr.
So sehr Bonamassa als Sänger nur solide sein mag, so herausragend ist er als Gitarrist.
Im Gegensatz zu vielen seiner jungen Kollegen ist Joes Gitarrenspiel richtig gut abgehangen. Er kann einem den Kopf abreißen, er muss es aber nicht.
Joe weiß, wie man Soli spannungsgeladen aufbaut und sich im richtigen Moment zurückhält.
Die Prägung und der Einfluss der großen europäischen Bluesrocker wie Mr. Slowhand bleibt dabei stets unüberhörbar.
Mit „Spanish Boots“ ist auch eine Verbeugung vor einem weiteren großen Meister des weißen Bluesrock mit dabei: Jeff Beck der mit der diesen Song mit der (erraten!) Jeff Beck Group mit Rod Stewart und Ronnie Wood (damals noch am Bass) aufnahm.
Joes unglaublich angenehmer und artikulierter Gitarrenton hat nicht erst seit dem majestätischen Royal Albert Hall-Gastspiel Breitwandformat. Auf „Black Rock“ lässt er seine Freundinnen jedenfalls singen was das Zeug hält.
Zum Ausklang des Albums gibt es mit Blind Boy Fullers „Baby You Gotta Change Your Mind“ noch einen schönen Song zum Runterkommen. Ein akustischer Blues, der zeigt, dass Joe nicht nur an der E-Gitarre versiert ist.
Fazit:
Bonamassa ist es gelungen die Spannung seiner Liveshows auch im Studio zu evozieren.
Mag sein, dass Joes Eigenkompositionen nicht die Klasse der Coverversionen erreichen,
dennoch ist „Black Rock“ eine DER Bluesrock-Überraschungen des bisherigen Jahres.
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