Finally Woken

Ein Album von Jem
Manche Menschen haben ja keinen Nachnamen. Den brauchen sie nämlich gar nicht, oder nicht mehr, weil sie so omnipräsent sind, dass man mit diesem einen Namen ohnehin keine andere Person meinen könnte. Madonna gehört dazu, Björk auch. Oder Prince, zumindest in den Zeiträumen, in denen er sich selbst so nennt. Und vermutlich hofft auch Jem auf eben diesen Effekt: Weg ist der für Nicht-Muttersprachler ohnehin sperrige Nachname Griffiths, und wenn uns die Waliserin in den kommenden Jahren weiterhin mit so feiner Musik wie auf dem vorliegenden Debütalbum beglückt, wird auch was draus.
Was kann man sich also unter der Musik von Jem vorstellen? Ganz einfach: Es klingt wie Dido, nur gut. Nicht so nach eingeschlafenen Füßen, nicht so unattraktiv wie ein Kaffeetischchen von IKEA. Während Jems Stimme durchaus Wohlklang verbreitet und sanft und melodiös durch die Songs gleitet, ist die zugrunde liegende Musik zwar nicht sperrig, aber spannend: Da sind dramatische Streicher und E-Gitarren zu hören ("24"), Ohrwurm-Samples von den Swingle Singers ("They"), gemütliche Akustikgitarren ("Just a Ride"), Erinnerungen an den Pop der 60er ("Wish I"). Darunter Beats und Grooves, die der Engländer wohl als "crisp" bezeichnen würde, und eine glasklare Produktion.
Das geht alles glatt ins Ohr und bleibt auch drin: Schon beim zweiten Anhören erkennt man Songs und Melodien wieder, ab dem dritten Mal wird mitgesummt. Da stört es dann auch nicht so, dass im hinteren Drittel der CD die Songs nicht mehr ganz so stark sind wie vorne, und dass dann vielleicht eine Ballade zuviel angehängt ist. Denn schlecht sind die einzelnen Tracks nie, und mit 41 Minuten Spielzeit bleibt Jem auch nicht länger, als wir sie wollen. Ausdrückliche Kaufempfehlung.
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