Performing This Week-LIVE AT RONNIE SCOTT´S

Ein Album von Jeff Beck
Der Guitarist´s guitarist Jeff Beck ist zurück.
Wenn Beck mal Konzerte gibt ist das immer ein Ereignis. Der Gute macht sich bekanntlich rar, bricht jegliche Businessregeln indem er sich jahrelang für Alben Zeit lässt und kommt höchstens für gute Kumpels wie seinen alten Freund und gleichzeitigen Erzrivalen Clapton mal bei Festivals zu Besuch.
Das war es dann aber meist auch schon-eine lebende Legende eben, die niemanden außer sich selbst mehr etwas beweisen muss.
Umso bemerkenswerter und interessanter ist es dann natürlich wenn Jeff Beck eine einwöchige Konzertreihe in noch dazu intimer Atmosphäre spielt.
So geschehen im Jahre 2007 im Londoner Kultjazz-Club Ronnie Scott´s, in dem sich schon Legenden wie Dizzy Gillespie oder Miles Davis die Klinke in die Hand gegeben haben.
Das deutet auch schon an wohin die Reise mit diesem Konzert hin geht: in die Untiefen der Modalität, ins Reich des experimentalen Jazz Rock- aber nicht nur.
Beck ist eben anders.
Das war schon immer so.
Von den drei großen in den 60ern im Laufe des British Blues Booms berühmt gewordenen Gitarristen aus dem englischen Surrey ( keine Ahnung was die dort ins Wasser geben, jedenfalls besteht dieses aus ebenjenem Stadtteil stammende „Trio“ aus Eric Clapton, Jimmy Page und eben Beck) war er immer der Rastloseste.
Clapton fand recht schnell seine Richtung zwischen Blues und Rock und auch Jimmy Page sollte als Mr. Led Zeppelin mit seinen tonnenschweren Bluesrock-Riffs zur Legende werden.
Auch Jeff Beck widmete sich diesem Genre in seinen Anfangstagen mit seiner psychedelischen Jeff Beck Group, bei der ein gewisser Rod Stewart ins Mikro plärrte und ein bestimmter Ron Wood, der nach dem Aussehen her Becks Bruder sein könnte, den Bass bediente.
Doch Beck war das nicht genug. Er wechselte die Stilistiken wie andere die Gitarren.
In den 70ern landete er dann beim Fusion Jazz, als dieses Genre noch in den Kinderschuhen lag.
Beck war einer der Pioniere dieses neuen Stils der wild Jazz mit der Energie des Rock mixte.
Becks Eigendefinition zufolge verkomplizierte er Rock und vereinfachte die tonalen Experimente eines John McLaughlin.
Später dann jagte Beck den modernen Zeiten nach und experimentierte mit anderen Genres wie Electronica, letztlich alles den Zuhörer förmlich erschlagende Übungen.
Auch im Rock-Renten Alter hat er vom Experimentieren noch lange nicht genug.
Beständig auf der Mission, die Grenzen des Machbaren auf einer herkömmlichern sechssaitigen E-Gitarre zu überschreiten.
Zu behaupten, dass Jeff Beck ein Virtuose ist, wäre also glatte Untertreibung.
Er hat das Instrument der E-Gitarre gemeistert- bringt „Unerhörtes“ aus seiner Gitarre heraus.
Dass das nicht auch automatisch für einen Hörgenuss sorgen muss, wird auf „Live At Ronnie Scott´s“ teils überdeutlich.
Ein eigenwilliges Dokument einer fünfteiligen Konzertreihe die Beck im Jazzclub einspielte und das aus den Highlights der jeweiligen Abende zusammengestellt ist und sowohl als Audio CD als auch als DVD erschienen ist.
Beck spielt sich zusammen mit seiner Band durch wichtige Werke seiner Karriere und schlägt hinsichtlich der Setlist einen fast seine ganze Karriere umspannenden Bogen.
Die Band bestehend aus Bassistin Tal Wilkenfield, Drummer Vinnie Colaiuta und Keyboarder Jason Rebello ist tight und versteht sich merklich gut mit ihrem Brötchengeber.
Klar, Tal Wilkenfield die aussieht wie eine 14-jährige ist kein Ersatz für Tim Bogert und Vinnie Colaiuta ist kein Carmine Appice ( mit Bogert und Appice spielte Beck in der legendären BBA-Band).
Dennoch: Allesamt wahre Könner an ihrem jeweiligen Instrument. Vielleicht etwas zu farblos aber es geht sowieso um Beck und sein Gitarrenspiel.
Diese sehr spezielle Art wie Beck seiner Stratocaster Töne entringt ist gelinde gesagt eigenwillig.
Beck reißt die Saiten nur mit seinen Fingern bzw. seinem Daumen
(eine Reminiszenz an seine Rockabilly-Heroes)an.
Zudem kann er die Hände nie vom Vibratohebel seiner Stratocaster lassen.
Diese ständigen Tonhöhenschwankungen und Divebomb - Verzierungen sind beim ersten Mal ganz nett, beim achten Song können sie schon mal nerven.
Ähnlich verhält es sich mit der Songauswahl:
Die Setlist ist zwar irrsinnig abwechslungsreich zugleich ist das spröde Songmaterial auch anstrengend.
Selbst der Opener, das von Jimmy Page (der wie auch sein Led Zep Kollege Robert Plant im Publikum bei Ronnie Scott´s saß), für Beck komponierte „Becks Bolero“ das auf dem Debut-Album der Jeff Beck Group in den Sixties erschien, kam damals wesentlich druckvoller rüber.
Das es auch anders geht zeigt Beck dann wieder mit einer Coverversion von „A Day In The Life“.
Das ist bekanntlich ein Beatles-Song vom Über-Album „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“.
Ein Song den man nicht unbedingt covern sollte - wenn man nicht in eine Competition eintreten will,in der man nur verlieren kann. Aber Beck schafft das Unfassbare: mit seiner ganz eigenen, völlig instrumentalen Interpretation dieses Stücks, die zeigt was Beck alles kann.
Eines der absoluten Highlights der Disc.
Was sich Herr Beck allerdings dabei gedacht die etwas merkwürdige Imogen Heap auf die Bühne zu zerren, bleibt fraglich.
Ihre befremdlichen Gesangsübungen hätten wirklich nicht sein müssen.
Beck gefällt sie aber offenbar so gut, dass er sie gleich zu einem zweiten Song nötigt:
Kaum glaubt man als Zuseher, dass sich die Gute endlich verdünnisiert hat, holt er sie erneut zum Duett: Diesmal wird der Bluesstandard „Rollin´and Tumblin“ förmlich geschlachtet.
Eine missglückte Darbietung eines Somg, bei dem man eigentlich nicht viel falsch machen kann.
Na ja, die anderen Gäste Becks, die er um etwas Abwechslung rein zu bringen eingeladen hat, sind da wesentlich besser gewählt.
Zb. Joss Stone. Bei der vermutet man ja zunächst nicht, dass sie irgendwas mit Beck am Hut hat. Stone scheint jedoch überaus ergriffen vom Zusammentreffen mit dem Altmeister.
Sie müht sich redlich bei einer Interpretation von „People Get Ready“ ab.
All das verblasst jedoch wenn Mr. Slowhand Eric Clapton die Bühne entert.
Den hat man zwar auch schon in besserer Spiellaune gesehen, dennoch sieht man Beck den Spaß an, wenn er mit seinem alten Freund Bluesklassiker von Muddy Waters und Willie Dixon anstimmen darf.
Zusammen mit einem kurzen „Mystery Train“ - Intermezzo bleibt das aber großteils die einzige Reminiszenz an Becks frühe Tage.
Wer also Beck aus seiner Zeit in den 60ern liebt wird etwas enttäuscht sein.
Für Adepten des Jazzers Beck aus den 70ern und 80ern jedoch ist „Live At Ronnie Scott´s“ eine absolute Offenbarung.
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