Essential Live at Montreux

Ein Album von Gary Moore
Kein Jahr ohne neue Gary Moore-Veröffentlichung.
Nach dem wunderbaren „Close As You Get“ (2007)legte der Bluesrocker im Vorjahr mit dem ebenso grandiosen „Bad For You Baby“ das wahrscheinlich beste Genrealbum ´08 vor.
Das Gesetz der Serie bedenkend, wird der Fan nun schon etwas unruhig mit den Füßen scharren……
Und tatsächlich: Auch 2009 muss man nicht ohne Naschschub vom irischen Ausnahmegitarristen auskommen.
Obwohl es so aussieht, als ob Gary diesmal kein neues Studioalbum fertig bekommen dürfte, lässt Eagle Records die Fans nicht hängen und veröffentlicht ein neues Boxset:
„Live At Montreux“ umfasst 5 randvolle CDs und dokumentiert Gary Moores Auftritte beim renommierten Festival am Genfer See.
Klar, ganz neu ist das alles nicht: Erschienen doch schon in den letzten Jahren Livemitschnitte von Moores Montreux-Intermezzi auf DVD.
Der Fan wird also mehr als die Hälfte des Materials schon kennen . Allerdings werden diesmal im Gegensatz zur DVD die vollständigen Konzerte präsentiert.
Sprich: Einige der Songs des Boxsets waren bislang in dieser Form unveröffentlicht.
Für den Sammler und Komplettisten also wahrscheinlich genug Anreiz wieder zuzuschlagen.
Widmen wir uns also den fünf Silberlingen im Einzelnen:
Disc 1 dokumentiert das Montreux-Debut Moores aus dem Jahre 1990.
Das Hitalbum „Still Got The Bues“ war erst wenige Monate alt, aber schon ein riesiger Erfolg.
So setzt sich logischerweise ein Großteil der Songs aus Material von ebenjenem bahnbrechenden Werk zusammen.
12 Songs begeistert Moore mit einem mitreißenden Bluesrock der Sonderklasse- eine echte 6 Sterne Disc!
Bei 4 Liedern kommt auch Bluesman Albert Collins, der „Master oft the Telecaster“ mit dem prägnant-höhenreichen Ton, zu Gary auf die Bühne. Zusammen spielen sie sich die Pentatonik-licks nur so zu bei Songs wie „Too Tired“ oder „Cold Cold Feeling“.
Der Mitschnitt auf Disc 2 fand während der Promotiontour zum Album „Blues For Greeny“ statt. Jenes Album war Gary Moores Tribute an eines seiner Idole: den britischen Gitarristen und Fleetwood Mac-Gründer Peter Green, der drogenbedingt in den 60ern psychische Probleme hatte und sich von seinen Trips scheinbar nie vollends erholte.
Von Green kaufte Moore auch seine berühmte 1959 Les Paul- für ein Butterbrot, denn Green entsagte zum damaligen Zeitpunkt sämtlichen weltlichen Gütern.
Gary vergaß den alten Freund nie-Der Greeny-Tribute wurde eine Verneigung vor dem großen Vorbild, jedoch ohne Kniefall.
So kommt es, dass manche Version eines Green-Songs in der Moore-Neuinterpretation wesentlich prägnanter rüberkommt.
CD Nr. 3 fällt dann etwas aus dem Rahmen. Zu der Zeit experimentierte Moore erfolglos mit elektronischer Musik. Sein Montreux-Auftritt von 1997 der mit 11 Songs auf der dritten Scheibe verewigt wurde, sitzt dann auch irgendwie zwischen den Stühlen.
Moore pendelt zwischen seinem aus den 80ern bekannten Heavy Rock , Fusion und einigen vereinzelten Bluesrockern hin und her.
Trotz „Walking By Myself“ Moores am wenigsten bluesiger Auftritt bei Montreux.
Im Gegensatz zu den anderen, ungleich stärkeren Discs ist dieser leicht uneinheitliche Gig jedoch nicht der Rede wert. Wer Gary Moore mochte bevor er sich auf seine Wurzeln und somit den Blues rückbesann, wer Moore also als Metalshredder zu Zeiten von „Out In The Fields“ liebte für den ist das sicherlich interessant-alle anderen skippen lieber schnell zu Disc 4.
Diese enthält Moores ´99er Auftritt, bei dem er wieder zum Blues zurückkehrt.
Neben Gassenhauern vom „Still Got The Blues“ -Albums kennt man die Songs großteils schon von Disc 1 und 2 Doch muss man hierbei anmerken, dass Gary nie zweimal das gleiche Solo spielt, weswegen die doppelten Songs allein schon vor einem improvisatorischen Hintergrund interessant sind. Moore überrascht mit einem wilden Cover von Jimi Hendrix´ „Fire“ und Freddie King-Klassikern wie „I´m Tore Down“.
Schnörkellos ist auch der auf der Disc Numero 5 zu hörende Auftritt von 2001.
Teils überschneidet sich das Songmaterial wieder strak mit CD 4 doch mitreißende Versionen von „Stormy Monday „ oder „Enough Of The Blues“ entschädigen dafür allemal.
All das ist in eine schöne Klappbox eingebettet und mit einem informativen Booklet abgerundet.
Klar könnte man nun bemängeln, dass zu viel des hier präsentierten Materials schon lange bekannt ist und es sich nur um aufwändige und Augen schmeichelnde „Resteverwertung“ handelt.
Doch musikalisch gibt es also absolut nichts auszusetzen.
Der Sound ist, wie man das von Eagle-Vös mittlerweile schon gewohnt ist, glasklar und druckvoll.
Die Veröffentlichung richtet sich in erster Linie an Sammler- die erhalten über 6 Stunden Bluesgitarren-Hochgenuss.
Trotz des teils schon bekannten Materials und der schwächelnden dritten Disc, bleibt auch diese Veröffentlichung für den Moore-Enthusiasten empfehlenswert.
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