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Anthems for the Damned
Anthems for the Damned

Ein Album von Filter

(VÖ: 06. 06. 2008)


Es mag ja nur eine dieser übellaunigen Früher-war-alles-besser-Spinnereien sein. Aber man fragt sich wirklich, was die jungen Menschen von heute von Filter halten, was sie überhaupt noch von ihnen wissen. Denn die Zielgruppe, für die Bandchef Richard Patrick einmal begann, Musik zu machen, hat schon lange unterschriebene Bausparverträge in der Schublade. Das letzte Werk The Amalgamut ist auch schon wieder satte fünf Jahre her. Und Short Bus (1995), das Debüt, dieses brodelnde Giftfass von einer Platte, gehört mittlerweile fast ins Museum. Das ist für die „Kids“ Musikgeschichte. Classic Rock. Nur einen Steinwurf von Iron Maiden entfernt.

Umso trauriger, wenn ein Fan mindestens erwachsen genug ist, um zum Kämpfen in den Irak geschickt zu werden. Er schaffte es nicht zurück nach Hause. So sollte Anthems for the Damned zu einem gutmenschelndem Tribut werden. ‚Anti-War, Pro-Troops’, sozusagen. Dafür hätte sich Patrick ruhig einen etwas mutigeren Rahmen aussuchen dürfen. Denn seine Band klingt 2008 noch genauso wie 1999. Als das zweite Album Titel of Record erschien. Als man alle verwegenen Idiosynkrasien der Gründerjahre über Bord geworfen und sich für einen spiegelglatten Rock-Sound entschieden hatte. Short Bus war da ein anderes Kaliber, es klang nach rauchenden Colts und Amoklauf. Und zwar nicht nur wegen „Hey Man, Nice Shot“. Ein Monument der Wut auf die Welt. 1995 war Filter eine gefährliche, eigentümliche Band. Ihnen zuzuhören brachte einen sehr nahe an den Rand. Irgendwer nannte es Industrial Rock. Vermutlich, weil Patrick von den Nine Inch Nails kam.

1999 machten Filter Songs wie „Take a Picture“. 1999 war Filter eine Autoradiocombo geworden. Eine Band, deren Musik man sich anhörte wie man Landschaftsportraits der Toskana begutachtet. Schön und nett. Aber sonst?

2008 machen sie immer noch ein paar Hits mit betörenden Breitwandrefrains, wie „The Wake“, „Cold“ oder „Kill the Day“. Melodiöser Rock in moderatem Tempo. Der Rest klingt genauso, meistens leider nichtiger. Gitarren, die man früher noch als ‚rasiermesserscharf’ bezeichnet hätte, heute aber wie abgeschmirgelt und überzüchtet klingen. Klinisch tönende Hi Tech-Drums. Patrick und seine Stimme loten immer noch gerne die Grenzen zwischen angespannter Ruhe vor dem Sturm und konvulsiven Hassattacken aus. Selbst in den leisen Momenten klingt er, als ob er mit den Zähnen knirscht, ein Raubtier vor dem Sprung. Nur: es ist nicht mehr das gleiche – wie 1995. Wir haben 2008. Und da braucht es Helden, die dem flachbrüstigen Kirmes-Rock der Kaiser Chiefs und Killers etwas mit Substanz und Seele entgegenzusetzen haben. Richard Patrick kann oder will es anscheinend nicht mehr.

Eine Rezension von Gordon Gernand
(05. Juni 2008)

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Daten zum Album
Anthems for the Damned 2008
Produktion Josh Abraham
Interpret Filter Besetzung Robert Patrick, Mitchell Marlow, John Spiker, Mika Fineo
Aufnahmedatum 2007 - 2008
Gastmusiker
Label Public Recorings / SOULFOOD Lauflänge 49 Min.
http://www.officialfilter.com/
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