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Confessin´ The Blues
Confessin´ The Blues

Ein Buch von Ernst Hofacker

Confessin´ The Blues“ ist ein Klassiker der schon von zahlreichen Künstlern wie Little Walter, BB King, Chuck Berry oder Wynonie Harris interpretiert wurde.
„Confessin ´The Blues“ ist auch der Titel eines neuen Buchs über die Rolling Stones.
Nur der Laie wird sich über den Titel und diese Verbindung wundern - Schließlich sind die Stones ja auch bei diesem Song gelandet und ist doch ihre Musik durch und durch vom Blues beeinflusst.
„Die Musik der Rolling Stones“ ist der Untertitel dieser bei Bosworth erschienenen Publikation – und um nichts anderes geht es hier.

Autor ist Ernst Hofacker, seines Zeichen Journalist bei zahlreichen Musikmagazinen von der Bravo bis hin zum Rolling Stone und derzeit Leiter der „Sounds“ Redaktion und beinharter Stones – Verehrer. Sein Werk „Confessin´the Blues“ ist daher “ a labour of love”! Denn man merkt wie begeistert er an die Sache heran gegangen sein muss.
Auf über 350 Seiten erzählt er anhand der Vorstellung aller Singles und Alben den Werdegang einer der wichtigsten Bands aller Zeiten nach: Von Teenagern in England mit großen Träumen hin zu einer der dienstältesten Rockbands und zwar von A wie „Ain´t Too Proud To Beg“ bis Y wie „You Got The Silver“.
Mit weit über 300 Songs ist der Stones – Songkatalog ja enorm umfangreich, doch Hofacker lässt sich davon nicht einschüchtern und seziert jedes regulär veröffentlichte Album der rollenden Steine. Dabei werden natürlich alle Klassiker besprochen, aber auch erst kürzlich releastes wie der bei der „A Bigger Bang“ Tour entstandene Konzertmitschnitt „The Biggest Bang“ samt seiner oft nur ein einziges Mal in der Öffentlichkeit performten Songs wie Waylon Jennings´ „Bob Wills Is Still The King“ oder das Scorsese – Prestigeprojekt „Shine A Light“ werden nicht außen vorgelassen.
Mal bekommt der Leser die volle Informationsladung dann werden einige Songs nur recht kurz und bündig behandelt.
Dennoch vergisst Hofacker so gut wie kein Lied, dass die Stones je offiziell aufgenommen haben.
Aus der Hochzeit der Band ab den späten Sechzigern in der Jagger, Keef und Co. einen Meilenstein nach dem anderen veröffentlichten, geht er wesentlich mehr ins Detail.
Die Stones hatten damals ja wirklich einen irren Lauf und brachten binnen kürzester Zeit solche LPs
wie „Beggars Banquet“, „Let It Bleed“, „Sticky Fingers“ oder „Exile On Main Street“ heraus.
Detailliert schildert Hofacker den Entstehungsprozess der Stücke und die Situation im Studio.

Eines muss man dem Autor also lassen: Er ist ein absoluter Stones- Experte, zweifellos. Hofacker kennt die einzelnen Alben wie seine Westentasche und verblüfft selbst alte Fans mit seinem Detailwissen.
Dabei behält er sich jedoch einen lockeren Schreibstil, wodurch selbst die hohe Faktendichte nie zur bloßen Aufzählung wird oder gar den Lesefluss stört.

So gut er sich mit den Stones an sich auskennt, so sehr vermisst man die gleiche Fachkundigkeit jedoch bei Künstlern, die die Stones maßgeblich beeinflussten bzw. erst zum Musik machen brachten und den Zeitgenossen der Band.
Immer wieder stellt er die Stones als alleinige Heilsbringer dar deren Coverversionen teilweise pauschal über den Klee gelobt werden und in Hofackers Augen automatisch besser sind als die Originalversionen.
Die Rock N´ Roll und Rockabilly – Einflüsse werden entweder komplett vergessen oder nur sehr am Rande behandelt und damit ungerechtfertigterweise marginalisiert.
Klar der reine Chicago Blues war eine der maßgeblichen Inspirationsquellen der Stones, genauso wichtig war jedoch die Musik des Kings Elvis Presley und der Rock N´ Roll und Rockabilly der 50er.
Immerhin hat Keith Richards wegen Elvis und dessen Gitarristen Scotty Moore angefangen Gitarre zu spielen, wie er in zahlreichen Interviews verriet.
Hofackers Behauptung, dass die Jugendlichen im London der 60er Rock N´ Roll als Schnee von gestern ansahen ist ebenso schlichtweg falsch wie seine aus der Luft gegriffene und unhaltbare Behauptung, dass Elvis zum damaligen Zeitpunkt nur noch Schlager veröffentlichte.
Schade ist sicher auch , dass er die Countryeinflüsse und die Orientierung der Band an ebendiesem (Nashville-) Sound großteils außen vorlässt und Songs wie „Dead Flowers“ als Country Parodie bezeichnet, wo doch Mick und Keith von ihrem Kumpel Gram Parsons ua. mit der ehrlichen Begeisterung für diese ur - amerikanische Musik angefixt wurden.
Weiters behauptet der Autor, dass Waylon Jennings neben Buddy Holly in der Unglücksmaschine saß, die schließlich abstürzte und Holly sowie seine Mitreisenden J.P „Big Bopper“ Richardson und Ritchie Valens das Leben kostete, diesen Absturz jedoch überlebte.
Nun, Jennings hätte tatsächlich in der Maschine sitzen können, doch gab er seinen Platz für den erkrankten Big Bopper auf und entschied sich für eine Anreise zum nächsten Auftrittsort per Bus.
Dies rettete ihm das Leben, eine Konversation die er mit Holly zuvor geführt hatte verfolgte ihn noch Jahre später (Als Holly erfuhr, dass Jennings den Bus nehmen würde, sagte er dem Kumpel im Scherz „I hope your old bus freezes“ woraufhin Jennings entgegnete "I hope your ole plane crashes"…..).

Klar, „Confessin´The Blues“ ist in erster Linie ein Stones- Buch, dennoch könnte man auch hier etwas mehr Treue gegenüber den Fakten erwarten.
Solcherlei grobe Ungereimtheiten sind extrem ärgerlich, noch dazu weil Hofacker ansonsten einen überaus kompetenten Eindruck macht, der die Säulenheiligen, die Stones, durchaus auch mal etwas kritischer beleuchtet.
So geht der Autor offen mit seiner Kritik besonders an der späteren Phase der Stones um und kommentiert die späteren Verirrungen oft sehr süffisant.

Fazit:
Für den Stones – Novizen als auch den langjährigen Kenner eine kurzweilige Lektüre.
Die oben besprochenen Fehler und Ungereimtheiten stören den ansonsten sehr guten Gesamteindruck.
Zudem ist der Schmöker etwas nüchtern aufgemacht. Gerade mal ein paar Bilder gibt es zur Auflockerung. Das ist ein bisschen Schade, denn „Confessin´ The Blues“ ist ein Buch an dem man lange seine Freude haben wird und das man im Idealfall in Greifnähe bei der Plattensammlung platzieren sollte.
Dann kann man bei jeder Stones Revisited Session ;-) mal wieder drin blättern und nachschlagen.
Jedenfalls macht das Buch beim Lesen irrsinnig Lust sich die Stones-Alben anzuhören.
Ich jedenfalls werfe meinen Schallplattenspieler wieder mal an und lege die 1964 Decca – Single von „It ´s All Over Now“ auf. Die kracht zwar mittlerweile schon ganz schön, aber was solls?

Eine Rezension von Anatol Holzbauer
(06. September 2009)

   


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