At The End Of Paths Taken

Ein Album von Cowboy Junkies
Seit Mitte der 80er-Jahre machen die Geschwister Margo (vox), Michael (git) und Peter (dr) Timmins miteinander Musik und gälten als stilprägend innerhalb der alternativen Folk- und Countryszene. Der Vierte im Bunde ist der Bassist und Keyboarder Alan Anton. Als Cowboy Junkies veröffentlichen die Kanadier aus Toronto annähernd jährlich ein neues Album. Ihr wunderbar ruhiges Zweitlings-Werk "The Trinity Sessions" (1988) wird vielfach als ihr bestes gehandelt. Darauf enthalten war auch jene Coverversion des Velvet Underground-Klassikers "Sweet Jane", welche auch für den Soundtrack zu Oliver Stones "Natural Born Killers" verwendet wurde und zum kollektiven Pop-Gedächtnis der 90er-Jahre gehört.
Auf ihrem aktuellen Werk geht die Band ihren Weg geradlinig und abseits von Trends weiter. Die mal zarte, mal wüste musikalische Arbeit verbindet sich auf höchst eigentümliche Weise mit der unverwechselbaren, hauchenden Stimme von Margo Timmins. Manchmal bilden sie eine Metamorphose, manchmal ein sattes Kontrastprogramm. Als zentrales Stilmittel wird bei "At The End Of Paths Taken" massiv auf den Einsatz von Streicher-Arrangements gesetzt. Doch das ist kein zahnloser Keyboardersatz, sondern eine ausgetüftelte, durchkomponierte, scharf Akzente setzende Analogie, welche vor allem bei den lauten Passagen wiederkehrend funktioniert.
Dynamik und Tempo werden vor allem auf der ersten Albumhälfte abwechslungsreich gestaltet. Doch von einer beschwingten Berieselungsmusik bleibt man bei aller Melodieverliebtheit meilenweit entfernt. Gerade dieses schwer Fassbare im Gesang von Margo Timmins, in Verbindung mit der leicht dekonstruktivistischen Arbeit ihrer Brüder, sorgt für Unruhe innerhalb der Idylle. Die Grenzen zwischen Traum und Albtraum verschwimmen. Oder anders gesagt: die Cowboy Junkies machen Lichtmusik. Jedoch die Schatten, die dabei entstehen, fallen lang und bedrohlich aus.
"Here we stand at the end of paths taken
Guiding light inspiration
The slow decline
The crumbling foundation, the stations, and now the cross
But we're still lost"
Der Song "Still Lost" bringt es auf den Punkt. Das Lied fliest wie ein liebliches Bacherl durch ein Seitental, doch die Steine im Bachbett schneiden einem die Füße auf. Die Akzeptanz des Endes aller Dinge wird hier thematisiert. Das Ende der Unschuld. Das Ende einer Liebe. Das Ende der westlichen Zivilisation? Gut, dass man bei ein paar Nummern auch mal aufgefangen wird. Doch allzu viel Seelenruhe sollte man sich nicht erwarten und je länger das Album dauert, desto schwieriger gebärdet es sich.
Die Cowboy Junkies halten auf "At The End Of Paths Taken" ihren hohen Qualitätsstandard, fordern den Hörer durch ihren schonungslosen Realismus aber auf brutale Art und Weise. Ein Album, das eine gewisse Gefestigtheit beim aufmerksamen Zuhörer voraussetzt, ansonsten wird's fast unerträglich. Der Titel ist also wahrhaft bezeichnend für eine Platte, die sich rund um falsche Hoffnungen und unerfüllte Träume dreht. Schwere Kost, die man vielleicht portioniert zu sich nehmen sollte. Ansonsten ist die Gefahr groß, daran zu ersticken. So schließen wir mit einem Zitat aus der Abschlussnummer: "My only guarantee: I will fuck you up."
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