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Loyalty To Loyalty
Loyalty To Loyalty

Ein Album von Cold War Kids

(2008)


In augenzwinkernder Anlehnung an Tucholsky, mit einem Räuspern auf den Lippen (man räuspert sich anscheinend immer, wenn man zitiert): Nichts ist schwerer und erfordert mehr Mut, als sich im offenen Widerspruch zu seiner Zeit zu befinden und laut: „Bluesrock“ zu sagen!

Klar. Vampire Weekend! TV On The Radio! Das sind die Darlings, die Grenzgänger, die Innovatoren. Sturm und Drang. Durchaus tolle Bands, zurecht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Es wäre aber auch recht unmutig, sich ausschließlich auf diese Seite zu schlagen. Aber wo bleibt der Mut für ein bisschen Klassizismus?! Die Leute wollen es immer extravagant und distinktiv. Das neue Album der Cold War Kids hingegen wurde schon hier und da als „altbacken“ durchgereicht. Hoffentlich werden sie nicht zu Bauernopfern dieser Am-Pulz-der-Zeit-Geilheit. Zumal sie sehr wohl originell sind. Sie zeigen es nur nicht immer.

Auf ihrem Debüt Robbers and Cowards (2006) waren sie ungestüm und verspielt. Eine Wohltat im Vergleich zu den ewig überschätzten 2005er-Bands mit dem Sticker ‚Neuer, heißer Scheiß aus dem UK’, oder dem flachbrüstigen Kirmes-Rock der Killers oder Kaiser Chiefs.

Loyalty to Loyalty ist ganzheitlicher, homogener geworden. Es gibt noch mehr herben, grobkörnigen Indie-Rock, häufig in moderatem Tempo vorgetragen. Die Systemklammer, die alles zusammenhält. Noch mehr scheppernde Gitarren mit Lagerhallensound, der ein bisschen mit Surf-Rock zu tun hat, vielleicht noch etwas mehr mit dem Londoner Blues längst vergangener Tage. Gitarrist Jonnie Russel schnürt zusammen mit Bassist Matt Maus und Schlagzeuger Matt Aveiro ein halbdurchlässiges Korsett, durch das nichts hinausgelangt, aber diverse Grooves und Stilversatzstücke hinein.

Aber dieses Korsett ist strammer, die Klammer zwingender, als beim Debüt. Einflüsse werden nicht integriert, sondern fast absorbiert. Außer dem klassischem Instrumentarium von Rock und Roll finden nur noch ein paar Handrasseln und ein versoffenes Saloon-Klavier Platz. Heraus kommen 13 Songs aus einem Guss, die sich nach blauem Dunst, Tequila-Fahne und kaltem Aschenbechergeruch in der Nase anhören. Das ganze Album durchzieht eine Graupelschaueratmosphäre, als sei Kalifornien für immer in Nebel und Dunkelheit verschwunden, und die verrottete Golden Gate Bridge stürzt mit einem letzten Knarzen zusammen. Skelette haben die Weltherrschaft übernommen.

Der Swing von Golden Gate Jumpers ist fast aufmunternd, die Worte hingegen wiegen schwer wie Blei. Vielleicht springen die armen Leute mit einem Lächeln auf den Lippen?! Every Man I Fall For ist der Kater am Morgen danach, und keiner der Kerle taugt etwas, das Leben ist Mist, ohne Hoffnung. Sonne ohne Sonnenschein. "Every man i fall for / Drinks his coffee black / Love and hate are tattooed on his knuckles / And my name on his back."

Das windschiefe Avalanche in B klingt erst nach Kariesbefall, um dann in einen erlösenden Refrain zu torkeln. Something is Not Right With Me zerrt an den Nerven, ein zuckender Disco-Beat und Nathan Willetts Falsettstimme sind eine ganz gefährliche Kombination. Sein Organ schneidet die Luft in Scheiben. In den ruhigen Momenten klingt er wie ein begossener Pudel, in den hyperhysterischen wie der verlauste Bruder von Tom Verlaine. Doch es ist das Gespür für runde, reife Songs, die das alles so erstklassig und seine Wimmerei akzeptabel macht. Diese Band hat Klasse, man hört es mit jeder Note.

Nach dem Rausschmeißer Cryptomnesia, ein zerschossener, rotweinseliger Revue-Blues für die Zeit kurz vor Sperrstunde, bevor der letzte Vorhang fällt, schaut man angespannt aus dem Fenster. Ob die Sonne morgen aufgehen wird wie immer? Sicher ist man sich, 13 Songs später, nicht mehr.

Eine Rezension von Gordon Gernand
(05. November 2008)

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Daten zum Album
Loyalty To Loyalty 2008
Produktion
Interpret Cold War Kids Besetzung Nathan Willett, Jonnie Russel, Matt Maus, Matt Aveiro
Aufnahmedatum 2008
Gastmusiker
Label Cooperative Music Lauflänge
www.coldwarkids.com
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