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A weekend in the city
A weekend in the city

Ein Album von Bloc Party

Die Latte lag aus mehreren Gründen hoch für Bloc Partys Zweitling. Zum Ersten stiegen sie mit ihrem 2005er Debüt "Silent Alarm" zu einem der großen Hoffnungsträger der neuen englischen Indiewelle auf und gelten seither als deren intellektuelle Speerspitze. Das erhöht die Erwartungen und den Druck.
Zum Zweiten nehmen Bloc Party sich und ihre Musik sehr ernst. Sie stellen hohe Ansprüche an sich selbst, wollen als Künstler wahrgenommen werden, wollen nicht stehen bleiben, kein zweites "Silent Alarm" durfte es werden, weiter musste es gehen.
Und zu Dritten sollte es auch noch eine Auseinandersetzung mit dem Leben im England unserer Zeit werden.

"A weekend in the city" nimmt all diese Hürden mit einer Klasse, die atemberaubend ist.

Das erste, was man wahrnimmt, ist der dichte, klare, komplexe Sound. Zum Teil ist Sänger Kele Okerekes Stimme verhältnismäßig weit in den Hintergrund gemischt, um Teil dieser Klangwelle zu werden. Matt Tongs Schlagzeug treibt und peitscht nach vorne und Bassist Gorden Moakes spielt dazu einen pumpenden Fundamentalbass – die beiden können "tighte Rhythmusgruppe" sicher im Schlaf buchstabieren. Darüber legen Kele Okereke und Russel Lissack eine Vielzahl von schillernden Gitarrenlinien, Backing Vocals, Synthiechören und Sounds, die von allen Seiten auf einen zufliegen und beim Hören ganz kirre machen.
Nach und nach schälen sich die Worte heraus. Okereke reflektiert in seinen Texten über das Leben in der Großtstadt und nimmt einen mit durch ein Wochenende, vom ersten Drink in der Bar, zu einer Nacht im Club bis zum verkaterten Morgen, an dem es gerade noch aus dem Bett schafft, um Nachmittags den Kindern bei Fußball im Park zuzusehen und die letzten Sonnenstrahlen des Tages zu genießen. Sein Blick streift umher und was er sieht ist wenig aufmunternd.

"East London is a vampire,
it sucks the joy right out of me"

Er erzählt uns einiges vom Suchen nach Liebe und der scheinbaren Unmöglich- und Unfähigkeit seiner Generation, sie zu finden. Die Suche endet immer in der Enttäuschung. Nur einmal, in "I still remember"(eines dieser Lieder, für das man gerne seine Ausfahrt verpasst und einfach weiterfährt) ist sie zum Greifen nahe, doch es verlässt ihn der Mut und so ist alles was bleibt eine verpasste Chance.
"On", ein Lied wie angenehmer Rausch, schwärmt von einer drogengeschwangeren Nacht in einem Club und von diesem Mädchen, zu dem die Anziehung immer größer wird, bis sich beide nur noch um sich selbst drehen. Den Kater am darauffolgenden Morgen liefern Bloc Party in "Sunday" nach.

Er beobachtet junge Menschen seines Alters, also Mitte Zwanzig, wie sie ohne Perspektive ihre Zeit in Bars totschlagen, wo sie Kreuzworträtsel und Sudokus lösen, sich an Bierflaschen und Erinnerungen an bessere Zeiten festhalten, die in ihrem Fall nur in der Schulzeit liegen können, als sie den Ball noch 100 yards kicken konnten und er lässt sie erkennen:

"If I could do it again, I'd make more mistakes
I'd not be so scared of falling
If I could do it again, I'd climb more trees
I'd pick and I'd eat more wild blackberries"

Okerekes Frustration und Enttäuschung schlägt immer wieder in Wut um. So seziert er in "Uniform" die alternative Jugend und ihre Teilnahmslosigkeit:

"There was a sense of disappointment as we left the mall
All the young people looked the same
Wearing their masks of cool and indifference
Commerce dressed up as rebellion"

In "Hunting for witches" verpasst er der britischen Regierung und ihrem Krieg gegen den Terror eine Breitseite, wirft ihr vor jeden vernünftigen Gedanken zu unterdrücken und die Menschen uninformiert zu lassen, denn "fear will keep us all in place".
Und im Drum'n'Bass-Gitarren Gewitter "Where is home?" erzählt er von einem rassistisch motivierten Mord an einem Freund, der ihn, der er selbst eine schwarze Hautfarbe hat, erkennen lässt "that this is not home for us".

Jeder Song enthält Zeilen, die man zitieren könnte, die einem fundamentale Weis- und Wahrheiten in einen Reim zusammenfassen. Im letzten Song verlässt er die Stadt und spaziert durch die countryside. Er ruft seinen Freund Eugene an und erklärt ihm:

"If you want to know what makes me sad
Well it's hope, the endurance of faith
A battle that lasts a lifetime
A fight that never ends"

Bloc Party ist mit "A weekend in the city" ein aktuelles Zeitdokument gelungen, ein Porträt über die Verlorenheit der Jugend und über das Leben in England nach den Anschlägen vom 7. Juli. Doch allem sozialen Realismus und aller Bitterkeit der Texte setzen sie helle, treibende und aufbauende Musik entgegen. Ein Platte für den Bus auf dem Weg in die Stadt, für den Club zum Tanzen, für den mühsamen Weg nach Hause und den verkaterten nächsten Morgen.
Ein blinkendes, grelles, reiches Album ist es geworden, mit genug Geheimnissen, um es hundertmal zu hören und immer wieder überrascht zu werden. Ein Album, dass den Mund wässrig macht, wie scharfes, gut gewürztes Chilli und dass gebrochene Herzen wieder nähen kann. Und das allerbeste – es hört genau dann auf, wenn es am schönsten ist. Enttäuschungen ersparen Bloc Party uns.

Wer noch nie ein Wochenende in der Stadt erlebt hat, braucht das nach Hören dieses Album auch nicht mehr. Es ist alles da, intensiv und gut ausgeleuchtet. Und alle anderen werden sich wiederfinden und in die Platte einwickeln.

Eine Rezension von Christoph Schwarz
(14. August 2007)

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Daten zum Album
A weekend in the city 2007
Produktion Jacknife Lee
Interpret Bloc Party Besetzung Kele Okereke, Gordon Moakes, Russell Lissack, Matt Tong
Aufnahmedatum
Gastmusiker
Label Wichita Lauflänge 51 min.
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