Blind Faith & London Hyde Park 1969

Ein Album von Blind Faith
Blind Faith?
Selbst einige Eric Clapton-Fans wissen oft nur wenig mit dieser Periode in der Schaffenszeit eines der weltbesten Gitarristen anzufangen.
Nun, Blind Faith, das war in den späten 60ern die Band von Mr. Slowhand, Steve Winwood, Ginger Baker und Rick Grech.
Die Möglichkeiten dieser vier Musiker schienen zum Zeitpunkt ihrer Formierung nahezu unbegrenzt, ebenso wie die Erwartungen des Publikums.
Was wenig verwunderlich war, wenn man sich die Vita der einzelnen Protagonisten mal vor Augen führt:
Mit dem kongenialen Drummerderwisch Ginger Baker hatte Clapton schon bei Cream Musikgeschichte geschrieben. Mit dem blutjungen Winwood, der schon bei der Spencer Davis Group („Keep On Runnin´) und Traffic für Furore gesorgt hatte und Grech am Bass bildete man das, was man gemeinhin als Supergroup bezeichnen kann.
Der Band war dennoch nur ein sehr kurzes Leben beschieden und lediglich ein Studioalbum war die Folge ihrer Zusammenarbeit.
Für Clapton fällt diese Phase genau zwischen seinen Cream-Triumph und das „Layla“-Album mit Derek and the Dominoes. Dennoch sollte man das Kapitel Blind Faith nicht als bloße Fußnote abtun-
Insbesondere für die weitere Entwicklung und Karriere des Mr. Slowhand ist seine Zeit mit Blind Faith von kaum zu überschätzender Bedeutung.
Viele fundamentale Änderungen fallen in diese Zeit des Umbruchs, die den Weg, den Clapton in den 70ern einschlagen sollte schon vorwegnehmen.
Die Sessions für das, was das erste und einzige „Blind Faith“- Album werden sollte, bedeuten eine teilweise Abkehr vom donnernden Sound, den Cream in den englischen Clubs zelebriert hatten.
Nun benutzte Clapton neben seiner Gibson ES-335 und den brüllend lauten Marshall-Verstärkern auch wieder Fender Gitarren und Amps: Dies führte natürlich zu einer nicht unwesentlichen Veränderung seines Sounds.
Auch die Songs selbst weisen eine andere Struktur auf als noch in den vorangegangenen Monaten des Jahres 1969.
So ist Blind Faith ein weitaus ruhigeres Album geworden und hat nur mehr wenig mit dem gemein, was einst Cream ausgemacht hatte. Für manchen Fan sicher schwer zu verkraften.
Mit gerade einmal sechs Songs, wovon das ausufernde „Do What You Like“ mit über 15 Minuten der längste Track ist, ist das Album mit dem skandalträchtigen Cover ( das Bild von einem allzu jungen, nackten Mädchen, dass in suggestiver Form einen silbernen Jet in Händen hält wurde zensiert und durch ein Foto der Band ersetzt)kurz und bündig gehalten.
Dafür enthält es einige Songs für die Ewigkeit.
Das Buddy Holly-Cover „Well All Right“ oder „Had To Cry Today. Und auch „Presence Of The Lord“ aus der Feder Claptons ist so ein Über-Song - allein dieses Wahnsinns-Gitarrensolo nach dem Breakdown mit Wah Wah-Pedal. Claptons-Sound mag sich zu dieser Zeit verändert haben- die unsagbare Präzision seiner Bendings und der lyrische Gehalt seiner Licks war ungebrochen.
Obwohl das Album fraglos ein Klassiker ist, gewährt es letztlich doch nur einen flüchtigen Blick darauf, wozu diese „Supergroup“ imstande war. Blind Faith brachen viel zu früh auseinander um ihr volles Potential auszuschöpfen und um sich vollends entfalten zu können.
2008 kam es jedoch zu einem Ereignis, mit dem wohl keiner mehr gerechnet hatte.
Clapton und Winwood fanden sich zu einer Quasi-Reunion von Blind Faith zusammen.
Was im vorangegangen Jahrhundert nicht geklappt hat wird nun im neuen Jahrtausend zu Ende gebracht: und wie!
Der auf DVD erhältliche Livemitschnitt aus dem Madison Square Garden macht deutlich was das Zusammenspiel von Clapton und Winwood für eine besondere Chemie hat – in einer Art und Weise wie es die LP aus dem Jahre 1969 nie konnte.
Es sind dies wohl die definitiven Versionen der Songs, die Clapton und Winwood für Blind Faith geschrieben hatten.
2010 gehen beide übrigens auch auf Europa-Tour. Denkwürdige Gigs, die ein Spektakel sondergleichen zu werden versprechen.
Wer mehr von Blind Faith in der Ur-Besetzung möchte- denn Baker stand offenbar nicht mehr für die Reunion zu Verfügung und Rick Grech starb leider schon 1990 - sollte zur einzigen DVD von „Blind Faith“, die den ersten Gig der Band im Londoner Hyde Park anno ´69 dokumentiert, greifen:
Blind Faith-London Hyde Park 1969
Neben einem netten Cover von „Under My Thumb“ von den Stones werden einige Songs gespielt, die auf dem regulären Album fehlen: Darunter der kongenial-düstere Blues „Sleeping In The Ground“.
Die Kameraführung bei diesem Gig ist zeittypisch an manchen Stellen recht gewöhnungsbedürftig. Immerhin sieht man bei Gitarrensoli aber auch wirklich Clapton mit seiner besonderen Fender Telecaster mit dem Strat-Hals im Bild.
Es ist also nicht so schlimm wie beim Woodstock-Film bei dem man statt Jimi Hendrix während eines Gitarrensolos einen Turm in der Ferne ins Objektiv der Kamera rückt.
Die DVD, die etwas stückwerkartig auch Dokuschnipsel und Material aus der Cream-Zeit im Bonusmaterial vereint, ist genauso wie das Blind Faith-Album ein Zeitdokument von unschätzbarem Wert: So lohnt sich eine Entdeckung in jedem Fall.
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