Shot to Hell

Ein Album von Black Label Society
Ich hatte mir das so schön ausgemalt. Noch nie von der Band gehört, das Cover fürchterlich, die Pressefotos lächerlich. Allein wie die Typen aussehen! So eine Mischung aus Biker, Metaller und Cowboy, come on. Dann ist der Frontmann auch noch Gitarrist von Ozzy. Ich hab mich auf einen Verriss gefreut und zwar so richtig. Dann leg ich die CD ein, denke "Axl Rose" und mein Vorhaben wackelt. "Shot to hell" ist nämlich gut.
Währen der ersten drei Tracks dachte ich noch, ok, die sind wenigstens nicht so der Hammer, da mach ich wieder so ein "die Platte ist einfach wurscht" Ding draus. Da kann ich dann auch erzählen, dass sie eine Poserpartie sind und Ozzys Gitarrist auch mal vorne stehen wollte. Wenn so wäre.
Zakk Wylde ist nämlich ein Schlawiner. Die besten Tracks hat er nicht, wie üblich, vorne hingeklebt, sondern die kommen weiter hinten. Der vierte Track, ausgerechnet eine Schmachtfetzenballade namens "The last goodbye", hebt das Album weit über den Durchschnitt hinaus und das Niveau wird gehalten.
Der anfängliche Verdacht, hier einen Posersoundtrack für Bikerfestivals zu haben zerfließt schnell, wenn auch die Rockstücke ("Give yourself to me", "New Religion") zu greifen anfangen. Eine überraschend hohe Anzahl von Balladen, bei denen auch zünftige Streicher aufgefahren werden, zeigt - der Band geht es kaum um Image, die meinen es ernst und wollen was sagen. Und ganz nebenbei entpuppt sich Zakk Wylde als guter Songwriter. "Nothing's the same" ist herausragend.
Black Label Society sind außerdem so alternativ wie heute kaum mehr eine Band. Sie machen Dinge wie echte Riffs spielen! Den Verstärker aufdrehen, dass es saftig aus den Boxen tropft! Nicht dieses pseudoauthentische, cleane Garagebandgeklopfe, das klingt als würde man mit einem Suppenlöffel auf eine Autotür hauen. Und Gitarrensolos! Richtige Gitarrensolos, die über eine ganze Strophenlänge gehen und integraler Bestandteil des Songs sind und nicht nur nettes Beiwerk. Immerhin ist Zakk Wylde Halbgott der Gitarrenmagazine und kann das. Und ja, seine Stimme klingt wie Axl Rose, nur ein Stückchen tiefer und damit nicht so nervig.
Black Label Society stehen ganz klar und mit beiden Beinen in der Hardrocktradition von Deep Purple, Led Zeppelin, Black Sabbath und Guns'n'Roses.
Es ist ja fast schon lustig, wie auf "Shot to hell" die Songs immer besser werden, je weiter nach hinten man auf dem Album kommt. Als hätte jemand die Tracklist umgedreht. "Faith is blind" hätte Deep Purple zur Ehre gereicht und "Blood is thicker than water" hätte zur Grungezeit Hitparaden gestürmt. "Devil’s Dime" drückt drauf und kommt sicher auf die nächsten Autofahr-Compilation.
Und dann als Rausschmeißer "Lead me to your door". Hm. Das Ding ist ja auch gut, nur da hört man die "Knockin' on heaven's door" Version der Gunners so durch, das ich mich nicht ordentlich auf den Song konzentrieren kann. Hätte nicht sein müssen.
Zum Schluss noch eine Verbeugung vor dem Produzenten Michael Beinhorn, der das Ganze wieder in einen prächtigen, wuchtigen Sound gekleidet hat und eigentlich mal eine eigene Geschichte verdient hätte, so viele Topalben wie der schon produziert hat.
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