Gram Parsons - Hickory Wind

Ein Buch von Ben Fong-Torres
„In South Carolina, there're many tall pines
I remember the oak tree that we used to climb
But now when I'm lonesome I always pretend
That I'm gettin' the feel of hickory wind
It's a hard way to find out that trouble is real
In a faraway city with a faraway feel
But it makes me feel better each time it begins
Callin' me home, hickory wind
Keeps callin' me home, hickory wind“
Da ist es, dieses Gefühl der Einsamkeit, der Verlorenheit - Man ist fernab von der Heimat, an einem Ort in der Fremde. Doch die Gedanken können immer noch zu den vertrauten Erinnerungen und Empfindungen der Heimat abgleiten.
Ein Gefühl, das Gram Parsons, der die eingangs zitierten Textzeilen verfasste, im Song „Hickory Wind“ beschrieb(der Vollständigkeit halber muss hier noch erwähnt werden, dass in den Linernotes auch B. Buchanan angeführt wird):
Zu finden auf „Sweethearts Of The Rodeo“, einem der wichtigsten Alben der Byrds, das sicher eines jener Kultalbum darstellt, die man in seiner Sammlung haben sollte. Die Byrds („Mr.Tambourine Man“) vollzogen damals in den Sixties einen Wandel von der Acid-Folk Band hin zum Countryrock.
Parsons selbst bezeichnete seine Songs als „American Cosmic Music“ und sein immenser Einfluss, den er auch heute - und das nicht nur auf das Alt. Country-Movement - besitzt, ist kaum hoch genug einzuschätzen.
Wenn man sich diese Tatsache vor Augen hält, ist es umso erstaunlicher, dass wenn sein Name in einer Konversation über Musik fällt, nicht selten nur Eingeweihte ein wissendes Lächeln zeigen.
Parsons ist Kult, doch zu Lebzeiten hatte er leider nie den Erfolg, den er eigentlich verdient hätte.
Mit Bands wie den Flying Burrito Brothers, den schon oben angesprochenen Byrds und auch als Solokünstler versuchte er seine Vision von der Cosmic American Music zu verwirklichen und musste mit zahlreichen persönlichen Tragödien fertig werden.
Ebenso legendär wie Grams Musik sind die Begleitumstände um den frühzeitigen Tod des Songwriters im Jahre 1973. Parsons starb an einer Überdosis. Roadmanger Phil Kaufman entführte den Leichnam Parsons, um ihn an Grams Lieblingsort im Joshua Tree Nationalpark feierlich zu verbrennen.
Klingt unglaublich, hat sich aber dennoch so zugetragen.
In „Hickory Wind“, der Biographie, begibt sich Rockjournalist Ben Fong-Torres auf die Spuren von Parsons und seiner ungemein packenden und gleichzeitig so tragischen Lebensgeschichte.
Torres war Mitherausgeber des legendären US-Rolling Stone und wurde auch in Cameron Crowes´ wundervollem „Almost Famous“ verewigt.
„Hickory Wind“ erschien im englischsprachigen Original schon Anfang der 90er.
Der Jens Seeling Verlag bringt diese höchst lesenswerte Bio auch in deutscher Übersetzung heraus.
Torres entführt den Leser dabei in eine ganz andere Zeit des Musikgeschäfts und zeichnet ein detailreiches, lebendiges Bild des viel zu früh gestorbenen Musikers.
Das Buch liest sich dabei durchwegs recht flott und zieht den Leser sofort in seinen Bann.
Neben dem packenden Lesestoff ist das Buch überdies mit einigen Schwarz-Weiß-Fotographien illustriert.
Bei allem Lob muss man allerdings auch festhalten, dass Torres´ Werk nicht ganz frei von Fehlern ist. Denn bei aller Genauigkeit und Fachkundigkeit des Autors was Grams Leben betrifft, muss man sich doch sehr über einige andere Aussagen von Torres wundern.
Insbesondere im Hinblick auf den King Elvis Presley unterlaufen dem Autor Fehler, die man von einem angesehenen Musikjournalisten nicht erwartet hätte:
So stimmt es etwa nicht, dass die Plattenfirma RCA Elvis Presleys „Musik für ein Massenpublikum glättete und auf Hochglanz polierte“.
Genauso falsch ist es, wenn Torres behauptet, dass Elvis „den Rock N´ Roll in den frühen Sechzigern zugunsten seiner Hollywoodkarriere fallen ließ“.
Weiters bringt Torres einige Jahreszahlen durcheinander. So springt er mit dem Leser ins Jahr 1960 als Gram vierzehn war und behauptet, dass Elvis „nur noch sporadisch Platten veröffentlichte“, als er zur Army ging. Nun, Torres scheint nicht zu wissen, dass Elvis 1958 zur Army ging und 1960 seinen Dienst abgeleistet hatte.
Fehlerhaft ist auch Torres´ Definition wenn es um die Beschreibung des neuen Musikstils in den 50ern, Rock N´ Roll/Rockabilly, geht. Torres schreibt hier, dass dabei Country, Rhythm & Blues und Rock N´ Roll miteinander verbunden wurden-Es war jedoch die Verbindung aus Country und Blues, die schließlich den Rock N´ Roll und Rockabilly entstehen ließ.
Fazit:
Torres´ Werk stellt nicht nur für langgediente Fans von Parsons Musik interessante Lektüre dar.
Denn selbst wer mit dem Namen Parsons bislang nichts anfangen konnte, begibt sich mit diesem Buch auf Entdeckungsreise in ein nachwievor wenig beleuchtetes Kapitel amerikanischer Musikgeschichte.
Hilfreich gestaltet sich in diesem Zusammenhang für Neuentdecker auch die extensive Diskographie im Anhang.
Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen
|